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Konzertreihe am Donnerstag

Jazz im Brunnenhof 2022

Brunnenhof, Foto: ttm GmbH / Photogroove
Brunnenhof, Foto: ttm GmbH / Photogroove

Auch in diesem Sommer laden wieder die Stadt Trier und die ttm GmbH zusammen mit dem Jazz-Club Trier e.V. in den Trierer Brunnenhof ein, um national und international erfolgreichen Jazz-Künstlern zu lauschen. Das Programm ist dabei so einzigartig wie die Künstler selbst – modern und klassisch, jung oder älter, kraftvoll und ruhig, beschwingt als auch entspannt. Die Musiker reisen aus der ganzen Welt an, um Trier und seine Besucher mit ihren facettenreichen Jazz-Sounds zu begeistern. An sechs Donnerstagen im Juli und August finden die Einzelkonzerte und auch der traditionelle "Regionalabend" statt, bei dem sich ein etabliertes Jazz-Ensemble aus der Region Trier oder Umgebung beweisen kann.

Einlass ist jeweils um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr.

NuHussel Orchestra - 14. Juli
Im Hohen Norden weiß man, woher der Wind weht. Vielleicht musste es deshalb auch St. Pauli sein, wo 2015 das NuHussel Orchestra von Wanja C. Hasselmann (Drums/ Compositions) gegründet wurde. Seit dieser Zeit manövriert es geschickt durch alles, was moderner Jazz zu bieten hat, beeinflusst von Funk, Hip Hop, Klassik bis Rock oder Electro. Dabei verfolgt die Band ein Kollektiv-Konzept und performt mit immer wieder neuen Features und Gastmusikern, sodass schnell mehr als die siebenköpfige Stammbesetzung zu hören ist. Auf diese Weise entsteht der neue City-Sound einer weltoffenen Generation: Urban Score.

Rita Payés Quartett - 21. Juli
Wer die Stimme von Rita Payés hört, ist verwirrt: Es scheint eine junge Stimme zu sein, doch die Klangfarbe und die erzählten Geschichten wirken wie aus nostalgischer Verklärtheit längst vergangener Tage hinüber geweht. Wenn dann noch der außergewöhnlich weich gleitende und zugleich detailverliebt pointierte Posaunensound dazu kommt, kann man fast nicht mehr glauben, dass Rita Payés erst 22 ist. Sie wuchs in einer katalanischen Familie voller Musiker auf und trat früh der bekannten Sant Andreu Jazz Band bei, wo sie auch zu singen begann. Mit verschiedenen Formationen trat die junge Künstlerin bereits auf den wichtigsten Festivals in Spanien, Frankreich, der Schweiz, Italien, Marokko, Schweden, Griechenland und vielen anderen Ländern auf. Im Brunnenhof ist sie mit ihrer Mutter Elisabeth Roma zu Gast, die nicht nur eine fantastische Gitarristin, sondern auch die Inspirationsquelle für viele Lieder der beiden ist – inhaltlich und kompositorisch.

John Scofield's “Yankee Go Home”- 28. Juli
featuring Vicente Archer, John Cowherd & Josh Dion

Es braucht keine Worte, um brillante Geschichten zu erzählen, keine Einheitlichkeit, um Verständnis hervorzurufen. Es braucht jedoch Erfahrung, ein umfassendes Tonvokabular und den ungebremsten Willen, Geschichten erzählen zu wollen. All das besitzt John Scofield, der schon jetzt, zu Lebzeiten, eine Jazz-Gitarristen-Legende ist. Sein ganzes Leben hat er bereits in den verschiedensten Formationen gespielt, darunter auch mit Miles Davis und Herbie Hancock, hat seit 1977 zahlreiche Alben veröffentlicht, einen Grammy gewonnen und einer eigenen Jazz-Spielart seine Prägung gegeben, dem so genannten Inside-Outside-Spiel, einer Improvisationsform, bei der harmonisch passendes und harmonisch unpassenderes Tonmaterial in Abfolgen gegenübergestellt wird. Und so schreibt auch Scofield selbst Geschichte.

Christian Pabst „BALBEC“ feat. André Nendza & Erik Kooger - 4. August
Dass Christian Pabst’ Mailadresse mit „pabstorama” beginnt, sagt viel über das musikalische Selbstverständnis des in Italien lebenden, deutschen Pianisten aus, der in seinen Kompositionen Dioramen neuer Welten erschaffen möchte. Entsprechend heißt sein neuestes Projekt „Balbec“, der Name einer imaginären Küstenstadt, die im Buch “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” von Marcel Proust zu finden ist, und in der der Protagonist über unsere Wahrnehmung von Zeit nachdenkt. Ein Thema, das Pabst, der während der Pandemie wie viele andere Künstler eine Periode des Stillstands erlebt hatte, sehr inspirierte und zu einem Programm anregte, in dem er zusammen mit Jazz Echo-Preisträger André Nendza am Bass sowie dem niederländischen Schlagzeuger Erik Kooger akustische Piano-Kreationen voll melodischer Sensibilität und rhythmischer Takttiefe erzeugt. Das ist definitiv eine Reise in den Brunnenhof wert.

Nilza Costa Quartett - 11. August
Wäre Nilza Costas Musik selbst ein Mensch, würde man sie am besten mit “Kosmopolitin” umschreiben. Denn ihre Komponistin, Nilza Costa selbst, geboren an der Atlantikküste von Salvador, ausgebildet in der Emilia Romagna und bis heute in Italien lebend, vermischt in ihren Songs afrikanische Rhythmen mit traditioneller brasilianischer Volkskunst, die religiöse, tänzerische und musikalische Einflüsse miteinander verbindet, wie Candomblé, Capoeira, Samba und Maculelê. Sie singt in Yoruba, der Sprache, die in der Zeit der Sklaverei, im 16. Jahrhundert, von Nigeria nach Brasilien gebracht wurde und dort immer noch gesprochen wird. Ihre Kompositionen sind von Spiritualität und improvisatorischer Stilsicherheit durchdrungen, Stücke, die in schlaflosen Nächten geschrieben und in ihrer spontanen Fremdheit umso vertrauter werden, je tiefer man sich auf sie einlässt.

Regionalabend mit T. Patina and the Funk Heritage und Tacheles plus - 25. August
Viele Köche verderben den Brei: Diese Weisheit wird von der Band T. Patina and the Funk Heritage eindeutig wiederlegt. Das Quintett rührt mit fünf Köchen kräftig in der Ursuppe der letzten 50 Jahre Jazz- und Funkgeschichte. Auf dem kräftigen Fond der präzisen Rhythmusgruppe können sich Saxophon und Gitarre dynamisch entfalten. Gewürzt wird das Ganze mit groovigen Gesangsparts durch die Sängerin Amaia Olea. Bleibt nur die Frage, woher diese neue Suppe ihren Namen hat: T. Patina verweist auf das Stück “Tipatina’s” des amerikanischen Jazzgitarristen Mike Stern, einem der musikalischen Vorbilder der Band. Da passt es, dass bei der Enspielung dieses Stücks auch John Scofield mitgewirkt hat, der in diesem Jahr ebenfalls im Brunnenhof auftreten wird.
Auch Tacheles plus bringt zusammen, was zusammen gehört. Benedikt Schweigstill, der als Jazzpianist schon oft im Brunnenhof zu Gast war und auch als Akkordeonist seit einiger Zeit in verschiedenen Projekten zu hören ist, hat mit Tanja Silcher eine nicht minder profilierte Kontrabassistin als Musikpartnerin gefunden. Ihre Jazz-Kompositionen sind von weltmusikalischen Einflüssen, von Klezmer und Balkanmusik geprägt, aber auch von großer Spontanität – nicht nur in den Kompositionen, sondern auch durch überraschende Gastmusiker*innen. Ein echtes Plus, wenn man Tacheles reden will.

Details zum Ticketverkauf

Die Karten sind ab sofort erhältlich in der Tourist-Information Trier an der Porta Nigra oder über Ticket Regional.

Der Eintritt kostet für fast alle Konzerte einheitlich 14 Euro im Vorverkauf und 16 Euro an der Abendkasse, für Solidarkartenbesitzer ermäßigt VVK/AK 10/12 Euro. 
Das Konzert von John Scofield kostet VVK/ AK 29/34 Euro, für Solidarkartenbesitzer VVK/AK 24/29 Euro.

Die Eintrittskarte gilt auch als VRT-Ticket für Bus und Bahn. Durch das KombiTicket können Besucher am Veranstaltungstag kostenfrei mit den Bussen und Bahnen im VRT-Gebiet bis Betriebsschluss zur Veranstaltung und wieder zurückfahren (Haltestelle: Porta Nigra, Trier).

Alle Konzerte finden auch bei Regen im Freien statt.