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Trierer Rede

Vortragsreihe anlässlich des Geburtstags von Karl Marx

Porträt Ulrike Herrmann
Ulrike Herrmann

Trier stand im Jahr 2018 mit dem Jubiläum „200 Jahre Karl Marx“ weltweit im Fokus der Öffentlichkeit. Insbesondere die Auseinandersetzung mit inhaltlichen Aspekten und die Anknüpfung an aktuelle Fragestellungen wurden in der Berichterstattung und in Publikumsumfragen gewürdigt. Die Vielfalt der Meinungen und Perspektiven, die im Jubiläumsjahr artikuliert und diskutiert wurden, machten Trier zu einem Ort des demokratischen Diskurses. Mit den "Trierer Reden", die jährlich am 5. Mai zum Geburtstag von Karl Marx stattfinden, führen renommierte Referentinnen und Referenten aus Kultur und Wissenschaft diesen Diskurs fort – mit ihren Denkanstößen zu aktuellen Themen unserer Zeit. 


Trierer Rede 2023 - Vorschläg für Referentinnen oder Referenten gesucht!

Die „Trierer Rede“ lädt Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft nach Trier ein, einen frei gewählten Vortrag zu einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema zu halten. Nachdem die Referierenden in den Anfangsjahren von einer Fachjury ausgewählt wurden, hat Kulturdezernent Markus Nöhl das Verfahren ab 2022 für die Bürgerinnen und Bürger geöffnet. „Karl Marx‘ Denken, sein Werk und seine Lehren haben bis heute Relevanz – in Bereichen, die uns alle tagtäglich beschäftigen: Arbeit, Wirtschaft, Geld, Ungleichheit, gesellschaftliches Zusammenleben. Daher ist auch die ‚Trierer Rede‘ eine Veranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger. Ich lade Sie herzlich ein, sich an ihrer Gestaltung zu beteiligen. Senden Sie uns Vorschläge, wer die ‚Trierer Rede‘ 2023 halten könnte.“ Schon im letzten Jahr war die Rednerin, taz-Journalistin Ulrike Herrmann, auf Vorschlag der Bürgerschaft durch eine Jury ausgewählt worden.

Vorschläge für 2023 können bis 3. Oktober per E-Mail an das Amt für Stadtkultur und Denkmalschutz (stadtkultur@trier.de) gesendet werden. Die Nachricht soll neben dem Namen und der Position der vorgeschlagenen Person auch eine formlose Begründung enthalten, warum er oder sie die „Trierer Rede“ nächstes Jahr halten soll. Die Auswahl aller Vorschläge trifft weiterhin eine Fachjury mit den bisherigen Gästen Professor Marina Münkler, Professor Lutz Rapahel und Ulrike Herrmann sowie Kulturdezernent Markus Nöhl.


5. Mai 2022
Trierer Rede mit Ulrike Herrmann
Karl Marx und das Ende des Kapitalismus

Für die „Trierer Rede“ 2022 konnten erstmals Bürgerinnen und Bürger Vorschläge für die Referentinnen und Referenten einbringen. Eine Fachjury, der neben Kulturdezernent Markus Nöhl auch die Vorjahresreferenten Prof. Marina Münkler und Prof. Lutz Raphael angehörten, wählte Ulrike Herrmann aus allen Einsendungen aus. Vorgeschlagen wurde sie von der Arbeitsgemeinschaft Frieden Trier.

Die Wirtschaftsjournalistin und taz-Redakteurin Ulrike Herrmann sprach zu Karl Marx und dem Ende des Kapitalismus im Angesicht von Klimawandel, Umweltzerstörung und Ressourcenknappheit. Karl Marx habe den Kapitalismus immer als ein historisches Phänomen verstanden – mit einem Anfang und einem Ende. Damit hatte er Recht, folgert Herrmann. Allerdings werde das Ende anders eintreten, als Marx es sich gedacht habe. Der Kapitalismus werde nicht verschwinden, weil eine proletarische Klasse die Macht übernähme, sondern weil der Kapitalismus zwingend Wachstum benötigte, um stabil zu sein. Unendliches Wachstum sei aber nicht möglich in einer endlichen Welt. Der Kapitalismus wird an absolute Grenzen stoßen: Rohstoffe und Natur werden knapp, so Herrmann. Was also ist die Zukunft?

Ulrike Herrmann ist Wirtschaftsredakteurin bei der tageszeitung (taz), ausgebildete Bankkauffrau und studierte Philosophie und Geschichte an der Freien Universität Berlin. Sie ist regelmäßiger Gast im Radio und im Fernsehen. Von ihr stammen mehrere Bestseller, dazu gehört „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Die Krise der Ökonomie – oder was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können“ (Piper 2018).

Die Veranstaltung wurde vom OK54 Bürgerrundfunk live gestreamt und aufgezeichnet. Sie können sie über YouTube anschauen:

 

5. Mai 2021
Trierer Rede mit Professorin Marina Münkler

Wie Demokratien gefährdet werden.
Die Sozialen Medien und die Logik der Herabsetzung

Seit den 2000er-Jahren hat sich die Kommunikationskultur durch die Digitalisierung und insbesondere die sozialen Medien entscheidend verändert. Kennzeichnend für diese Veränderung ist die Vermischung von privater und öffentlicher, persönlicher und politischer, informationeller und emotional geprägter Kommunikation. Verstärkt wird dies durch die Algorithmen der Internetgiganten, die Kommunikationen in hohem Maße steuern. Sie wird aber auch von dem Bedürfnis nach Gemeinschaftsbildung und Übereinstimmung intensiviert, die zu Echokammern führen. Die scheinbare Unmittelbarkeit der Kommunikation ist tatsächlich extrem vermittelt. Der Vortrag geht der Frage nach, ob und wie diese Prozesse Demokratien gefährden.

Marina Münkler ist Professorin für Ältere und frühneuzeitliche deutsche Literatur und Kultur an der Technischen Universität Dresden, Ko-Sprecherin des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung“ sowie Stellvertretende Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates.

Moderation: Professor Lutz Raphael

Die Trierer Rede wurde am 5. Mai um 19.30 Uhr über diese Website sowie im OK54 Bürgerrundfunk gestreamt. Im Anschluss fand ein Nachgespräch mit Professorin Marina Münkler über Zoom statt.

 



Eine Veranstaltung der Stadt Trier in Zusammenarbeit mit dem Karl-Marx-Haus Trier.


Themen der letzten Jahre:

2020 - Die Trierer Rede wurde aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt.
2019 - Professor Lutz Raphael: "Von der Revolution zur Routine? 100 Jahre Demokratie in Deutschland."