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Atomkraftwerk Cattenom

Der Widerstand gegen die vier Atommeiler in Cattenom wächst in der Grenzregion Saar-Lor-Lux. Immer mehr Gemeinden fordern die sofortige Abschaltung des weltweit siebtgrößten Kernkraftwerkes. Foto: Felix König
Der Widerstand gegen die vier Atommeiler in Cattenom wächst in der Grenzregion Saar-Lor-Lux. Immer mehr Gemeinden fordern die sofortige Abschaltung des weltweit siebtgrößten Kernkraftwerkes. Foto: Felix König
Das französische Atomkraftwerk (AKW) Cattenom liegt circa 42 Kilometer Luftlinie entfernt von den südlichsten Stadtteilen Triers. Mit vier Druckwasserreaktoren von jeweils 1300 Megawatt Leistung ist es das drittgrößte Atomkraftwerk Frankreichs. Von Beginn der Bauplanungen in den 1970er Jahren an wurde das Kernkraftwerk von den Nachbarn sehr kritisch gesehen, es bildeten sich grenzüberschreitend Protestbewegungen. Mehrere Gemeinden, darunter auch die Stadt Trier, sowie die saarländische Landesregierung klagten vergeblich beim Straßburger Verwaltungsgericht auf einen Baustopp. 1986 ging der erste Reaktor in Cattenom ans Netz.

Im Umkreis von 50 Kilometern um den Meiler wohnen 1,5 Millionen Menschen. Im Falle eines größten anzunehmenden Unfalls (GAU) wären auch weite Teile der Region um Trier auf Dauer unbewohnbar. In den vergangenen Jahrzehnten ereigneten sich mehrere Hundert, teils gravierende, meldepflichtige Störfälle. 2010 kündigte der Betreiber, der französische Stromkonzern EDF, dennoch an, eine Laufzeitverlängerung auf mehr als 40 Jahre anzustreben. Zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Kommunikation informiert das lokale Informationskommission Cattenom (CLI) seit 2013 auch die Stadt Trier über Störfälle und ihre Einstufung. Auf ihrer Website bietet sie einen Newsletter auf Französisch an.

In den Jahren 2016 bis 2018 hat ein breites politisches Bündnis eine erneute Klage zur Schließung des Atomkraftwerks geprüft. Beteiligt waren das Land Rheinland-Pfalz, das Saarland, die Stadt Trier sowie weitere rheinland-pfälzische, saarländische und luxemburgische Landkreise und Gemeinden. Im August 2016 gaben die Landesregierungen Rheinland-Pfalz und Saarland ein juristisches Gutachten in Auftrag, um zu prüfen, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Klage gegeben sein müssen. Außerdem gaben sie beim Öko-Institut in Darmstadt ein sicherheitstechnisches Gutachten in Auftrag. Aus dem sicherheitstechnischen Gutachten, das im April 2018 vorgestellt wurde, geht hervor, dass das AKW Cattenom nicht den heutigen europäischen Sicherheitsstandards für den Neubau von Atomanlagen entspricht und dieses Niveau auch durch Nachrüstungen nicht mehr erreichen kann. In ihm werden acht Defizite des AKW Cattenom aufgezählt, die alleine oder in der Summe schwerwiegende Risiken für die Menschen und die Umwelt zur Folge haben können. Demnach bestehe die Gefahr, dass das Feuerlöschsystem und die Notstromversorgung bei einem Erdbeben ausfallen. Weiter wird bemängelt, dass die Anlage nur für den Absturz kleinerer Flugzeuge gerüstet sei, nicht aber gegen den unfallbedingten oder gewollten Absturz einer größeren Verkehrsmaschine, der die sehr frühe Freisetzung großer Mengen Radioaktivität zur Folge haben könne.

Eine Klage gegen den Weiterbetrieb des AKWs werden die beiden Bundesländer dennoch nicht einreichen. Zur Begründung verwies Umweltministerin Ulrike Höfken auf die hohen Kosten für eine lückenlose Beweisführung bei gleichzeitig geringen Erfolgsaussichten vor einem französischen Gericht. Nun gelte es, die Ergebnisse des Gutachtens „als weitere Argumentationsgrundlage für den politischen Dialog" mit Frankreich zu verwenden.

Im April 2011 hatte der Trierer Stadtrat zuletzt eine Resolution verfasst, in der er die sofortige und dauerhafte Abschaltung des AKW Cattenom forderte.

Messwerte zur Strahlenbelastung

Das rheinland-pfälzische Umweltministerium betreibt zur Überwachung der Intensität radioaktiver Strahlung in der Umgebung der Kernkraftwerke Biblis, Philippsburg und Cattenom sowie des abgeschalteten Reaktors Mülheim-Kärlich ein Netz von Messstationen.

In Trier erfassen drei Stationen die von dem knapp 50 Kilometer entfernten französischen Kraftwerk Cattenom ausgehende Radioaktivität. Die aktuellen Messwerte können auf einer Internetseite des Landesumweltamts abgerufen werden.

Das Geo-Portal der Großregion (GIS-GR) veröffentlicht die Radioaktivitätswerte der Großregion auf einer Online-Karte. Die grenzübergreifend gepflegte Webseite aktualisiert die Messwerte stündlich. Die Werte können auch gezielt rund um die Atomkraftwerke der Großregion abgerufen werden. Insgesamt rund 300 Messstationen in Lothringen, Luxemburg, der Wallonie, Rheinland-Pfalz und dem Saarland messen die Gamma-Dosisleitstung, also das Maß der Strahleneinwirkung auf den Menschen. Die gemessenen Werte beruhen im Normalfall auf der natürlich vorhandenen Radioaktivität. Erst bei einem möglichen Reaktorunfall ist mit deutlich erhöhten Werten zu rechnen.

 
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