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28.02.2020 | Jahrestag

75 Jahre Kriegsende: OB erinnert an Befreiung, Stadt empfängt besondere Gäste

Schwer getroffene Basilika 1944. Foto: Stadtarchiv Trier, Bildarchiv
Bei den Luftangriffen 1944 wurden auch Basilika, Dom und Weberbach schwer getroffen. Foto: Stadtarchiv Trier, Bildarchiv

(mic/em) Am Montag, 2. März, jährt sich zum 75. Mal das Kriegsende in der Stadt Trier. Amerikanische Truppen befreiten die Stadt durch einen handstreichartigen Vorstoß und eroberten die unzerstörte Römerbrücke. Aus Anlass des Kriegsendes erinnert OB Wolfram Leibe an die besonderen Verpflichtungen für die Menschen in der Region Trier. Es gibt aus Anlass des Jahrestages mehrere Veranstaltungen der Stadt.

Zum Jahrestag des Kriegsendes in Trier sagt Oberbürgermeister Wolfram Leibe: „75 Jahre Frieden in Trier und in unserer europäischen Großregion: Das ist historisch betrachtet eine außergewöhnlich lange Zeit, und wir sind heute in der Verpflichtung uns dafür stark zu machen, dass diese Friedenszeit den Menschen erhalten bleibt.“ Die NS-Herrschaft habe Leid in unermesslichem Ausmaß über die Menschheit gebracht. Der Oberbürgermeister erinnert daran, dass es in Trier eine Gestapo-Zentrale nahe des Bahnhofs gegeben habe und dass auch aus Trier zahlreiche Menschen aufgrund ihres Glaubens, ihrer politischen Zugehörigkeit oder ihres Widerstands gegen das Regime in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet worden seien. Leibe weiter: „Das KZ Hinzert ist bis heute ein Symbol des Grauens, welches so viele Menschen dort erfahren mussten – Menschen aus der gesamten Trierer Region, aus Luxemburg sowie weiteren Staaten Europas.“

Auch die Stadt Trier sei Teil des NS-Herrschaftssystems gewesen, sagt Leibe, und die Oberbürgermeister deren Repräsentanten. Deshalb habe die Stadt mit Blick auf das 75-jährige Kriegsende das Wirken der OBs zwischen 1933 und 1945 von der Universität Trier in den Blick nehmen lassen. Während dieser Phase wurden die Porträts in der OB-Ahnengalerie im ersten Geschoss des Rathauses am Augustinerhof nicht gezeigt. Die Ahnengalerie wird im Laufe des Jahres neu präsentiert und die beiden NS-Oberbürgermeister historisch eingeordnet.

Als besonderes Zeichen der Aussöhnung mit den direkten Nachbarn Luxemburg und Frankreich hat die Stadt in diesem Jahr Veranstaltungen geplant, zu denen auch zwei hochrangige Gäste kommen. Am Dienstag, 10. März, wird der Bürgermeister der Trierer Partnerstadt Metz, Dominque Gros, offiziell im Trierer Stadtrat sprechen. Zu diesem Anlass sowie bei einem weiteren Termin in Metz soll der Partnerschaftsvertrag zwischen den beiden Städten, die überdies im Städtenetzwerk QuattroPole mit Saarbrücken und Luxemburg vereint sind, feierlich erneuert werden.

75 Jahre Kriegsende und damit verbunden 75 Jahre Frieden im vereinten Europa sind auch der Anlass für die Stadt, den Europatag am 9. Mai in diesem Jahr größer als üblich zu begehen. So gibt es am Sonntag, 10. Mai 2020, um 11 Uhr im Theater Trier einen Festakt, bei dem der Trierer Ehrenbürger und EU-Altkommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Festvortrag halten wird. Er spricht über das Zukunftsprojekt Europa.

Am Tag zuvor wird das Theater im Rahmen seines Spielplans das Oratorium „Annelies“ von James Withbourn zur Aufführung bringen. James Withbourn erschuf mit seiner Komposition ein Chor- und Orchesterwerk nach Briefen der Anne Frank – deren Todestag sich im Frühjahr (Februar/März 1945 im KZ Bergen-Belsen) zum 75. Mal jährt. Das Oratorium ist ein Statement für Zivilcourage, Menschenrechte und eine friedlichere Welt.

Zwischen dem 3. August und dem 3. September 2020 zeigt das Stadtarchiv eine Fotoausstellung zum Thema 75 Jahre Kriegsende in Trier in der Stadtbibliothek Weberbach mit historischen Fotografien. Außerdem wird im Katalogsaal in dieser Zeit eine gesonderte Literaturauswahl zur Verfügung gestellt.

Gepanzerte Einheiten der 3. US-Armee hatten in den frühen Morgenstunden des 2. März 1945 Trier erobert. Am 1. März waren verschiedene „Task Forces“ (Kampfgruppen) der 10. Panzerdivision der US-Armee vom kurz zuvor in schweren Kämpfen eroberten Zerf aufgebrochen, um Trier zu erobern. Deutsche Stellungen und Minenfelder führten zu Verlusten bei den schnell vorstoßenden Amerikanern. Im Stadtgebiet leisteten vor allem die auf der Weismark und auf dem Petrisberg stationierten Flugabwehr-Geschütze Widerstand und fügten den Einheiten der US-Armee Verluste zu.

Eine der Kampfgruppen, die so genannte Task Force Richardson unter dem Kommando des Lieutenant Colonels Jack. J. Richardson, startete den Vormarsch am späten Nachmittag des 1. März in Zerf und stoppte dann in Lampaden. Dort erhielten sie vom Hauptquartier der Division den Befehl, ab 22 Uhr über Obersehr, Ollmuth, Hockweiler, Irsch und Olewig nach Trier vorzurücken und die beiden Brücken einzunehmen. In Irsch und an den Kaiserthermen überraschten sie deutsche Soldaten und nahmen sie gefangen – offensichtlich hatten sie nicht mit einem Angriff an dieser Stelle gerechnet. Von den Kaiserthermen aus versuchte dann ein Trupp amerikanischer Soldaten unter dem Kommando von Hauptmann Omar Billet um 2 Uhr am frühen Morgen des 2. März die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Besitz zu nehmen. Dieser Versuch scheiterte, die Brücke war am Vortag von der Wehrmacht gesprengt worden. Ein weiterer Trupp, angeführt von Leutnant James Riley, erreichte dann von der Kaiser-Wilhelm-Brücke aus dem Ufer folgend, anschließend die noch unzerstörte Römerbrücke. Vom Brückenkopf in Trier-West wurden die amerikanischen Soldaten beschossen und erwiderten das Feuer.

Leutnant James Riley beorderte dann die Unterleutnants Wilbur J. Beadle jr und Alfred Hardrich mit einem Trupp Fußsoldaten über das antike Bauwerk. Sie verhinderten, dass ein deutscher Major und fünf Soldaten doch noch die Brücke sprengte – in den Pfeilern war eine große Menge Sprengstoff angebracht. Anschließend sicherten amerikanische Panzer den Römerbrückenkopf und Pioniere entschärften den Sprengstoff.

Bereits um 10 Uhr des 2. März hatte die Task Force Richardson, verstärkt durch die Task Forces Haskell und Norris, bei der so genannten „Säuberung“ der Stadt 800 deutsche Soldaten gefangen genommen und ihr Hauptquartier im Hotel Porta Nigra eingerichtet, auf dem der amerikanische Hauptmann Robert Wilson die amerikanische Flagge hisste, die ihm seine Frau extra für diesen Zweck geschickt hatte. Um 16 Uhr wurde Trier als erobert und gesichert gemeldet. Anschließend kam es noch zu Kämpfen in Ehrang und zu tagelangen Gegenangriffen deutscher Truppen mit vielen Toten im Raum Zerf und Lampaden, diese Angriffe sollten die Amerikaner abschneiden um Trier zurückerobern zu können. Erfolglos.

Hinweis an die Redaktionen: Unter Downloads finden Sie das zur Veröffentlichung freigegebene Foto in hoher Auflösung. Bitte geben Sie als Bildnachweis "Stadtarchiv Trier, Bildarchiv" an.