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23.02.2021

Hilfe im Neustart nach dem Lockdown

Geringes Fußgängeraufkommen in der Simeonstraße im Februar 2021
Auch in der Simeonstraße sind die Zeichen der Krise nicht zu übersehen. Das frühere Karstadt-Kaufhaus (rechts) steht schon seit einiger Zeit leer.

Große Einkaufszentren am Stadtrand, geschlossene Kaufhäuser oder Online-Handel: Der tiefgreifende Strukturwandel im Einzelhandel stellt die Innenstädte vor große Herausforderungen. Die Pandemie wirkt zusätzlich als Katalysator und beschleunigt diese Entwicklungen. Das Innenministerium hat daher das Modellvorhaben „Innenstadt-Impulse" ins Leben gerufen, das unter anderem Trier unterstützen soll.

Die teilnehmenden Städte können individuelle Maßnahmen entwickeln und haben damit mehr Spielraum, als bei der klassischen Städtebauförderung. Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz betonten bei der Vorstellung des Modellvorhabens, das zunächst auf die fünf Oberzentren in Rheinland-Pfalz beschränkt ist: „Der Strukturwandel in unseren Städten hat schon lange vor Corona begonnen, er wird durch die Pandemie allerdings in vielen Bereichen beschleunigt. Große Kaufhausflächen werden in den Innenstädten aufgegeben, der Bedarf an Büroräumen geht zurück und die lokalen Einzelhändler sind in einer schwierigen Lage. Gleichzeitig haben die Menschen neue Anforderungen an eine lebendige Stadt mit einem Mix aus Wohnen, Kultur, Arbeit, Grünflächen und neuen digitalen Ideen. Moderne Stadtentwicklung hat also ganz viele Facetten."

Die klassische Städtebauförderung sei ein wichtiges Instrument, sie konzentriere sich jedoch in der Regel auf bauliche Maßnahmen. Mit dem neuen Programm sei es möglich, bisher nicht förderfähige Projekte wie Pop up-Stores, das Innenstadtmarketing oder den Aufbau lokaler Online- Marktplätze zu unterstützen. Großer Pluspunkt des Programms ist laut Lewentz dessen Flexibilität. „Die Städte haben die größtmögliche Handlungsfreiheit", machte der Innenminister deutlich. Zunächst erhalten neben Trier auch die weiteren Oberzentren Mainz, Koblenz, Ludwigshafen in den nächsten beiden Jahren jeweils 500.000 Euro.

Zum aktuellen Lockdown sagten Dreyer und Lewentz: „Wir sind der festen Auffassung, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen können, wenn es uns gelingt, unsere Innenstädte für die Zukunft stark zu machen. Wichtig ist uns, dass das Förderangebot bereitsteht, wenn die Lockerungen wieder Leben in den Innenstädten ermöglichen. Das Modellvorhaben versteht sich daher auch als Hilfe im Neustart."

OB Wolfram Leibe begrüßte das neue Modellvorhaben und skizzierte, wofür das Geld in Trier verwendet werden soll: Neben einem verstärkten Stadtmarketing – auch Richtung Luxemburg – über Social Media sind zwei weitere Trinkwasserbrunnen und die technische Aufrüstung und Neumöblierung des Brunnenhofs geplant. Zudem soll die City-Initiative unterstützt und die Innenstadtmöblierung durch weitere Sitzmöglichkeiten erweitert werden. Diese Punkte sollen nächste Woche mit den Beteiligten besprochen werden.

Des Weiteren wolle man die Bereiche Gastronomie, Kultur und Einzelhandel in Trier noch besser zusammenführen. Das sei das bundesweit bekannte Alleinstellungsmerkmal der ältesten Stadt Deutschlands: einzigartige Kultur, spannende Gastronomie und inhabergeprägter Einzelhandel. Mittelfristig soll auch die Sanierung in der Innenstadt weitergehen. Dies betrifft etwa den Porta Nigra-Vorplatz und die Fleischstraße. Dafür wurde beim Land zu Jahresbeginn eine erste Projektskizze hinterlegt. Auch für das Thema Wohnen in der Innenstadt sind laut Leibe bereits Fördermittel beantragt.