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01.03.2016

Eine Art Lebensmittelpunkt

Bild: Kochtreff für senioren im Bürgerhaus Trier-Nord
Zu den Angeboten der Gemeinwesenarbeit für Senioren im Bürgerhaus Trier-Nord gehört neben einer wöchentlichen Kochgruppe auch eine Veranstaltung mit Bewohnern des Seniorenzentrums Hildegard von Bingen, bei der zusammen gekocht wird. Das Foto ist von 2014. Archivfoto: Bürgerhaus Trier-Nord
Die Verbesserung der Lebenssituation der Menschen ist ein Ziel der Gemeinwesenarbeit (GWA). In Trier gibt es sie mit spezifischen Ausprägungen und Entstehungsgeschichten in verschiedenen Stadtteilen. Die Rathaus Zeitung stellt die fünf Standorte vor. In dieser Woche steht das Bürgerhaus Trier-Nord im Mittelpunkt.

„In den 30 Jahren seit es die Gemeinwesenarbeit in Trier-Nord gibt, ist im Stadtteil jede Menge passiert“, erzählt der Verantwortliche, Bernd Weihmann. Neben einer „genialen Aufwertung“ der Umgebung, etwa durch mehr Grünanlagen, habe sich – durch einen Rückgang der Gewalt – auch das Verhalten der Menschen untereinander geändert. Zugleich habe in den Familien ein Umdenken stattgefunden: „Mussten wir früher in die Familien rein, kommen die meisten heute freiwillig, um Hilfe in Anspruch zu nehmen“, erläutert Weihmann. Der Sozialarbeiter, der seit 16 Jahren im Bürgerhaus arbeitet, sieht in diesen positiven Entwicklungen einen Erfolg der GWA. Diese geht in Trier-Nord auf eine studentische Initiative zurück, die mit Unterstützung der Universität unter Einbeziehung von Bürgern und in Kooperation mit dem Sozialdezernat der Stadt ein Konzept entwickelte und umsetzte.

Angebote für Senioren

Ein Schwerpunkt der GWA im Bürgerhaus Trier-Nord ist die Seniorenarbeit. „Viele Senioren sind auf Grundsicherung angewiesen und leiden unter Altersarmut. Mit unseren Angeboten wollen wir ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gewährleisten“, betont Weihmann. Zu den Angeboten, die von Ehrenamtlichen gestemmt werden, gehören neben einer Kochgruppe und einem Seniorencafé auch ein Besuchsdienst sowie die Begleitung zu Ärzten und bei Amtsgängen. Zudem stehen gemeinsame Ausflüge auf dem Programm. 18 bis 20 Ehrenamtliche aus dem Stadtteil engagieren sich für die älteren Mitbürger. „Für die Senioren ist es eine Art Lebensmittelpunkt. Sie sind nicht auf ihre Wohnung beschränkt und nehmen teil am Leben des Stadtteils“, informiert Weihmann über die Bedeutung der Seniorenarbeit. Dabei sei es auch wichtig, die Angebote bezahlbar zu halten: Ein Mittagessen kostet 2,50 Euro.

Warteliste mit Helfern

Ein weiterer Schwerpunkt der GWA ist das Café Welcome, ein Angebot für Flüchtlinge der Erstaufnahmeeinrichtung in der nahe gelegenen Dasbachstraße, „aber auch für Bewohner des Stadtteils“, betont Weihmann. Das Café soll Flüchtlingen als Rückzugsort dienen, aber auch Kontaktmöglichkeiten zu den Bewohnern des Stadtteils ermöglichen. „Und es läuft grandios“, sagt er. „Jeden Dienstag kommen zwischen 80 und 100 Menschen zusammen. Es ist ein schönes Gewusel.“ Er habe nicht damit gerechnet, dass das Miteinander so gut funktioniert, erzählt der erfahrene Sozialarbeiter. Circa ein Drittel der Besucher sind Deutsche. 40 bis 50 Ehrenamtliche backen Kuchen, Getränke und andere Snacks werden gespendet, sodass das Angebot für die Flüchtlinge kostenfrei ist. „Bei den Helfern ist noch keine Müdigkeit erkennbar, ich habe sogar eine Warteliste mit Leuten die helfen wollen“, sagt Weihmann. Die Verständigung funktioniere mit Händen und Füßen, immer mehr Flüchtlinge sprächen aber auch Englisch. „Viele sind hochmotiviert, in einen Sprachkurs zu kommen.“

Auch die Mutter-Kind-Arbeit ist ein Schwerpunkt der GWA im Bürgerhaus Trier-Nord. In dem kinderreichen Stadtteil komme dieser Arbeit eine besonders wichtige Bedeutung zu, erläutert Weihmann. Angeboten werden eine Bastelgruppe, Partys und Ausflüge.

Zu den Herausforderungen im Stadtteil zählt der Sozialarbeiter die vielen Schulabbrecher. Aber auch auf die steigende Zahl psychisch kranker Menschen müsse die GWA reagieren, insbesondere weil sie eine spezielle Begleitung benötigen und ihre Kinder unterstützt werden müssen. Die Arbeitslosigkeit unter den Erwachsenen habe sich zwar schon verringert, sei aber immer noch relativ hoch, weiß Weihmann. Er ist sich zudem sicher, dass die Altersarmut noch zunehmen wird. „Dafür müssen wir ein höheres Bewusstsein schaffen“, appelliert er.

Die geplante Neugestaltung und Aufwertung des Vorplatzes des Bürgerhauses empfindet Weihmann als ein wichtiges Projekt der Zukunft: „Für die Gemeinwesenarbeit und das Image des Stadtteils ist die Umgestaltung des Umfelds sehr wichtig“, betont er. Langweilig wird ihm sein Job trotz der vielen Berufsjahre nicht: „Ich bin immer wieder überrascht, welche interessanten und engagierten Leute ich aus dem Stadtteil kennenlerne. Zudem schätze ich die große Zielgruppe unserer Angebote, von Kindern bis Senioren.“