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04.12.2018

Eine Chance für junge Flüchtlinge

Bild: Lois Chiamaka Joseph bei ihrer Arbeit im Krankenhaus
Lois Chiamaka Joseph floh alleine aus Nigeria und kam nach Trier. Bald beginnt sie eine Ausbildung zur Krankenpflegehelferin. Foto: Kreuznacher Diakonie

Die Kreuznacher Diakonie plant nach Rücksprache mit der Stadt, eine interkulturelle Wohngruppe mit jungen Flüchtlingen im Stadtteil Irsch zu eröffnen. Dort wohnen werden junge Menschen wie Lois Chiamaka Joseph. Das Beispiel der Nigerianerin zeigt: Flüchtlinge können dazu beitragen, dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken.

Diakonie Krankenhaus Bad Kreuznach, Mittwochvormittag gegen 9 Uhr – Lois Chiamaka Joseph (19) schiebt einen älteren Patienten im Rollstuhl zum Ultraschall. Die junge Frau hat im Juli ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) begonnen und arbeitet in der Schlaganfallstation der Abteilung für Innere Medizin. „Ich helfe den Schwestern zum Beispiel beim Essen austeilen oder bei der Körperpflege", erzählt sie. „Eine anstrengende Arbeit, aber ich liebe das."

Vor gut zwei Jahren kam die damals 17-Jährige allein aus Nigeria in die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Trier. Das Jugendamt der Stadt Trier nahm sich der Minderjährigen an. Als regionales Schwerpunktjugendamt ist es für die Erstversorgung der minderjährigen Geflüchteten für einen Teil der Jugendämter in Rheinland-Pfalz zuständig. Wenn minderjährige unbegleitete Mädchen unterzubringen sind, arbeitet das Jugendamt seit vielen Jahren mit der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe der Stiftung Kreuznacher Diakonie zusammen. Für unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) stellt die kirchliche Stiftung ein differenziertes Spektrum von der Erstbetreuung, über die Klärung rechtlicher und finanzieller Fragen bis hin zu stationären und ambulanten Anschlussprogrammen zur Verfügung. Ihr Engagement für geflüchtete Mädchen in Trier wird die Stiftung Kreuznacher Diakonie nach Rücksprache mit der Stadt erweitern und plant, in Kürze eine interkulturelle Gruppe im Stadtteil Irsch zu eröffnen. Die Stadt bearbeitet zurzeit einen Antrag zum Umbau einer erworbenen Immobilie.

Das Beispiel der jungen Nigerianerin Lois zeigt für die Diakonie , dass eine gute Eingliederung von jungen Flüchtlingen die gewünschten Synergieeffekte für den Arbeitsmarkt, wo es bekanntermaßen einen Mangel an Fachkräften in Pflegeberufen gibt, mit sich bringen kann. Lois hat inzwischen einen Platz für die einjährige Ausbildung zur Krankenpflegehelferin sicher, die im April 2019 beginnt. Im Anschluss möchte sie die dreijährige Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolvieren.

Ähnlich wie Lois geht es vielen jungen Mädchen, die auf ihrer Flucht vor Not und Gewalt in Trier angekommen sind. Aus Sicht von Stadt und Stiftung ist daher die Fortführung der guten Zusammenarbeit mit der Eröffnung einer interkulturellen stationären Wohngruppe für weibliche minderjährige Flüchtlinge und männliche Flüchtlinge bis 14 Jahre in Trier folgerichtig. Diplompädagogin Sonja Orantek, Bereichsleiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe der Stiftung Kreuznacher Diakonie: „Durch die Nähe zur Stadtverwaltung, zur Aufnahmestelle für Asylbegehrende und zu weiteren Kooperationspartnern, mit denen wir eng zusammenarbeiten wollen, hoffen wir, den jungen Menschen eine gute Perspektive in unserer Gesellschaft bieten zu können. Das wäre ein Gewinn für alle."

Auch der Leiter des städtischen Jugendamts, Carsten Lang, begrüßt die Einrichtung der Wohngruppe: „Für das Jugendamt ist es optimal, wenn alle Partnerinnen und Partner, mit denen wir die Erstversorgung junger Geflüchteter und die Klärung aller mit der Flucht verbundenen Fragen zu leisten haben, in Trier verortet sind. Das garantiert eine optimale, schnelle und ressourcenschonende Wahrnehmung der Aufgaben."