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09.02.2021

Nachsorge dauert einige Jahre

Bild: Unzählige Lichter, Blumen, Kuscheltiere und Schilder vor der Porta und an weiteren Orten in der Innenstadt an die Toten und Verletzten der Amokfahrt
Schon kurz nach der Amokfahrt erinnerten unzählige Lichter, Blumen, Kuscheltiere und Schilder vor der Porta und an weiteren Orten in der Innenstadt an die Toten und Verletzten.
Neun Wochen nach der Amokfahrt in der Fußgängerzone geht die Betreuung der überlebenden Opfer, der Angehörigen der Toten und der vielen Zeugen in eine neue Phase: Nach der Notfallhilfe und Erstversorgung hat die Nachsorge begonnen. Sie wird nach Angaben des Landesopferbeauftragten Detlef Placzek einige Jahre dauern. Bei einer Online-Pressekonferenz nannte er aktuelle Zahlen, die belegen, dass die Hilfsangebote sehr gut angenommen werden.

Beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, dessen Präsident Placzek ist, sind 25 Anträge auf Opferentschädigung eingegangen und es wurden über 70 Plätze für Schnelltherapien zur Verfügung gestellt. OB Wolfram Leibe betonte, dass bei allen Aktivitäten immer die Perspektive und die Interessen der Opfer ausschlaggebend seien. Das gilt für die geplante Gedenkfeier, deren Datum noch offen ist, aber auch die Schaffung eines festen Gedenkortes.

Die Zahl der Betroffenen ist groß: Nach der Amokfahrt wurden auf Basis der polizeilichen Daten 307 Personen angeschrieben, es kommen aber, so Placzek, noch viele weitere dazu: „Manche, die das miterlebt haben, dachten zuerst, sie kommen ganz gut damit klar. Aber nun merken sie, dass sie doch Hilfe brauchen.“

Eine wichtige Etappe war das erste Treffen der Opfer mit Leibe und Placzek sowie mehreren Therapeuten am Wochenende, das wegen Corona auf zwei Tage verteilt werden musste. Das Fazit der Beteiligten fiel danach durchweg positiv aus. Die Treffen sollen nun regelmäßig stattfinden, zunächst einmal im Monat.

Die vielfältigen Hilfen und Koordinierungen durch die Stadtverwaltung begannen direkt nach der Amokfahrt: Noch am selben Abend nahm ein Koordinierungsstab die Arbeit auf, um direkt mit den Opfern zu kommunizieren zu können: In enger Zusammenarbeit mit der Polizei startete direkt eine umfangreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei spielten die sozialen Medien eine große Rolle. Kurz nach der Amokfahrt wurde das Spendenkonto eingerichtet. Dieses Kapital geht in eine Auszahlungsstiftung für die Opfer. Außerdem wurde am 2. Dezember eine erste Gedenkfeier an der Porta organisiert, an der unter anderem Ministerpräsidentin Malu Dreyer teilnahm, sowie eine Trauerfeier für die griechisch-orthodoxe Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Bistum. In Kooperation mit dem Opferbüro des Landes entstand ein Koordinationszentrum mit Psychotherapeuten, Trauma-Institutionen sowie Seelsorgern.

Mitarbeiter von StadtRaum Trier pflegten und betreuten die Gedenkorte an mehreren Stellen der Innenstadt. Diese sind jetzt an der Porta konzentriert. Die Opfer erhalten auch konkrete Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltags und der finanziellen Absicherung: Dazu gehörten die Abwicklung der Rechnungen für die Bestattung und die Friedhofspflege, finanzielle Soforthilfen, Unterstützung bei der Suche nach einem Kita- Platz und bei der Antragstellung im Rahmen des Opferentschädigungsgesetzes. Außerdem entstand ein Runder Tisch mit Hinterbliebenen, Verletzten und Traumatisierten in Kooperation mit der Stiftung Katastrophennachsorge. Das Landesamt schaltete unter anderem eine Internetseite sowie drei Hotlines zur schnelleren Kontaktaufnahme für Opfer und Zeugen frei und kümmerte sich um die Kostenübernahme bei Therapien. Das Land zahlt schon vor einer Opferentschädigung fünf Stunden. Zudem gibt es jetzt eine eigene Datenbank zur Vermittlung von Therapieplätzen.

  • Anlaufstellen für Opfer und Hinterbliebene: Vermittlung eines Traumatherapieplatzes: 0800/5758767 (Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr) Opferhilfe im Rathaus: trierstehtzusammen@trier.de und Landesamt: 0651/14470.

Petra Lohse