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22.12.2020

Mehrere Interessenten für Exhaus-Angebote

Stadt prüft Konzepte / Rund 370.000 Euro stehen zur Verfügung

Bild: Die Fassade des Exhauses mit dem Schriftzug „Exzellenzhaus“.
Der Trägerverein des Exhauses geriet im September in die Insolvenz und musste sich auflösen. Zur bedarfsgerechten Weiterführung der Angebote – wozu unter anderem Streetwork, Konzerte und Jugendarbeit gehören – gibt es mehrere Interessenten.

Von offener Jugendarbeit über Streetwork bis hin zur Kulturarbeit: Die Angebote des aufgrund einer Insolvenz aufgelösten Exhaus-Vereins waren breit gefächert. Jetzt geht es darum, einen Träger zu finden, der die Angebote bedarfsgerecht weiterführt. Interesse haben mehrere, zu berücksichtigen gibt es einiges.

Es ist ein Trierer Original – das Exhaus in der Zurmaiener Straße 114. Jahrzehntelang bekannt für offene Jugendarbeit, Streetwork, aber auch für wilde Partys, Festivals und Konzerte. Im September dann die Nachricht, die für einige Demonstrationen sorgte und viele Sympathiebekundungen für die Einrichtung in sozialen Netzwerken zur Folge hatte: Aufgrund der Insolvenz löste sich der Verein auf und viele Sympathisanten forderten den Erhalt des Jugend- und Kulturzentrums.

Anfang Oktober fasste der Stadtrat dann den Beschluss, dass ein neuer Träger die verschiedenen Aufgabenfelder des Exhauses unter einem Dach vereinen solle. Eine dauerhafte Zersplitterung des Leistungsspektrums in Teilbereiche werde abgelehnt, heißt es im entsprechenden Antrag.

Ein knappes Vierteljahr später sind beim zuständigen Jugendamt mehrere Anträge und Interessensbekundungen von Trägern eingegangen, die die Gelder, die dem Exhaus zur Verfügung standen, gerne für ihre Arbeit verwenden würden. Insgesamt geht es um rund 370.000 Euro, die für Jugendkulturarbeit, Streetwork und Jugendarbeit zur Verfügung stehen. Ein Interessent ist der frisch gegründete Verein „Kulturgraben“, der sich als direkter Nachfolgeverein des alten Exhaus-Vereins versteht und aus dem Aktionsbündnis „Exhaus bleibt“ hervorgegangen ist.

Carsten Lang, Leiter des städtischen Jugendamts, erläutert: „Eine sorgfältige Prüfung der eingegangenen Interessensbekundungen ist absolut notwendig.“ Kriterien, die er für die Überprüfung anlegt, ergeben sich unter anderem aus dem Paragrafen 74 des Sozialgesetzbuches VIII: Dieser legt unter anderem fest, dass der jeweilige Träger die fachlichen Voraussetzungen erfüllen muss und gemeinnützige Ziele verfolgt. Zudem muss er, bei einer auf Dauer angelegten Förderung, als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt sein. Lang hat sich unter Berücksichtigung dieser und weiterer Kriterien bereits mit den eingereichten Konzepten auseinandergesetzt. Er macht jedoch deutlich, dass die Entscheidung noch dauern wird: „Die Gemengelage von bestehender Beschlusslage im Stadtrat, rechtlichen Voraussetzungen und mehreren Trägern mit Interesse haben einen länger andauernden Prüfprozess zur Vorbereitung der Beratungen in den Gremien zur Folge.“

Auch Bürgermeisterin Elvira Garbes macht deutlich, dass es nicht einfach sei, nun allen Anforderungen gerecht zu werden. Schließlich gehe es nicht vor allem darum, Trägerinteressen zu bedienen. „Wir dürfen die Bedürfnisse der jungen Menschen und die Frage, wie diese am besten befriedigt werden können, auch bei dieser schwierigen Ausgangslage nicht aus den Augen verlieren“, so ihr Appell.

Von Björn Gutheil