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Augustinerhof

Vorderansicht des Rathauses am Augustinerhof
Vorderansicht des Rathauses am Augustinerhof mit dem Haupteingang und dem Chor der alten Augustinerkirche (rechts).

Der heutige Hauptsitz der Stadtverwaltung, das Rathaus am Augustinerhof, war bis 1801 ein Kloster der Augustiner-Eremiten, eines Bettelordens, der sich besonders intensiv der Seelsorge widmete. Die Ordensklöster lagen oft am Rande der Stadt nahe der Stadtmauer, so auch in Trier.

Die Augustiner-Eremiten siedelten sich hier vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts an. Von der ursprünglichen Klosteranlage ist nur der hochgotische Chor der Klosterkirche, der in die Zeit um 1320/25 datiert wird, bis heute erhalten geblieben. Er besteht aus vier Jochen und einem polygonalen 5/8-Chorschluss. Überspannt ist der Raum mit einem Kreuzrippengewölbe. Die Schlusssteine, die runden, verzierten Steine im Scheitelpunkt des Gewölbes, sind alle unterschiedlich gestaltet. Der letzte im Chorschluss zeigt eine Abbildung des Agnus Dei, des Lamm Gottes.

1722 wurde das mittelalterliche Kloster durch einen vierflügeligen barocken Neubau mit Innenhof ersetzt, der den Kern des heutigen Rathauses bildet. 1794 wurde Trier von den Franzosen besetzt und kurze Zeit später wie alle linksrheinischen Gebiete annektiert. Das Augustinerkloster diente kurzzeitig als Gefängnis und Reiterkaserne, 1801 wurde es endgültig aufgehoben.

1810 wurde das Gebäude zum Landarmenhaus umfunktioniert. Damit verbunden waren größere Umbauten: Der südöstliche Gebäudeflügel mit dem heutigen Haupteingang wurde verlängert und erhielt ein zweites Obergeschoss. Das Langhaus der Klosterkirche wurde abgerissen. An ihrer Stelle wurde ein neuer Trakt errichtet, der zusammen mit der Verlängerung des Südwestflügels einen zweiten Hof bildet, der sich zur Karl-Marx-Straße öffnet.

Bereits 1925 übernahm die Stadt das Gebäude und baute es als zweites Rathaus um. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem das alte Rathaus am Kornmarkt zerstört wurde, zog die Stadtverwaltung endgültig an den Augustinerhof. Der Chor der Augustinerkirche, der wie der gesamte Komplex 1944 durch einen Luftangriff beschädigt worden war, wurde erst in den späten 50er Jahren instand gesetzt.

Im Rahmen der Umgestaltung wurde das Relief des abgebrochenen Neutors über der neuen Eingangstür eingebaut. Dieses bedeutende Werk romanischer Monumentalskulptur zeigt in der Mitte Christus, links davon Petrus und rechts vermutlich Erzbischof Eucharius. 1877 war das Neutor, das sich am Südende der Neustraße befand, abgebrochen worden. Das Relief kam als Leihgabe der Stadt in das neu gegründete Provinzialmuseum (heute Landesmuseum). 1965 nahm die Stadt es gegen den Protest des Museums zurück und ließ es in die Augustinerkirche einbauen. Seit 1967 dient die Augustinerkirche der Stadtverwaltung als "Großer Rathaussaal" für Sitzungen und zur Repräsentation.

 
Bildergalerie
  • Der hochgotische Chor der Augustinerkirche wird seit 1967...
  • Sitzung des Stadtrats im Großen Rathaussaal.
  • Blick von Westen.
  • Der durch die Erweiterung im 19. Jahrhundert entstandene Hof mit...
  • ... dem Eingang Karl-Marx-Straße.