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Paradies für Genügsame

Das Naturschutzgebiet Kahlenberg

Mitglieder des Naturschutzbunds schneiden im Herbst und Winter die Sträucher auf dem Kahlenberg zurück, damit der Lebensraum für den seltenen Enzian erhalten bleibt. Foto: NABU
Mitglieder des Naturschutzbunds schneiden im Herbst und Winter die Sträucher auf dem Kahlenberg zurück, damit der Lebensraum für den seltenen Enzian erhalten bleibt. Foto: NABU
Der Kahlenberg ist von der Sonne verwöhnt. Bei schönem Wetter bietet sich von einem der höchsten Punkte des Stadtgebiets ein imposanter Blick ins Moseltal. Schatten spendende Bäume sucht man in dem Naturschutzgebiet vergebens – und das ist gut so: Denn gerade der Trocken- und Halbtrockenrasen, der sich auf dem hügeligen Gelände ausgebreitet hat, bietet den idealen Lebensraum für seltene Orchideen und bedrohte Vogel- und Insektenarten.

Die charakteristischen Kuppen, Tälchen, Steilhänge und Mulden verweisen auf die frühere Nutzung des Naturschutzgebiets bei Sirzenich: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde hier Kalkstein abgebaut, später diente das Areal als Weide für Schafe und Ziegen und nach dem Zweiten Weltkrieg als Übungs- und Sprengplatz der französischen Armee.

Der Boden ist aufgrund seiner Trockenheit und eines dadurch bedingt nur langsamen Stoffumsatzes von Natur aus arm an Nährstoffen. Er  bietet deshalb besonders günstige Voraussetzungen für Pflanzen, die sich an diese kargen Bedingungen angepasst haben, darunter der streng geschützte Deutsche Enzian, der Gefranste Enzian, das Stattliche Knabenkraut und andere Orchideen. Sie verfügen meist über ein ausgedehntes Wurzelwerk, um auch an weiter entfernte Wasser- und Nährstoffquellen zu gelangen. „Diese Blumen haben auf nährstoffreicherem Boden kaum eine Überlebenschance, da sie von schneller wachsenden Konkurrenten verdrängt werden“, erklärt Corinna Albert vom Naturschutzbund (NABU) Region Trier.

Da der Kahlenberg derzeit nicht mehr als Weide genutzt wird, würde das Gelände unter natürlichen Bedingungen ziemlich schnell von einem Buschdickicht überzogen werden. Um dem vorzubeugen und die Halbtrockenrasen mit ihrem pflanzlichen Artenreichtum zu erhalten, entfernt eine Gruppe des NABU in regelmäßigen Einsätzen störende Sträucher wie zum Beispiel die Schlehe. Erwünscht sind in den Randbereichen dagegen Eiche, Buche und Mehlbeere.

Der Kahlenberg ist aber nicht nur aus botanischer Sicht wertvoll. Vielmehr bevölkern auch einige interessante Vögel (Neuntöter), Schmetterlinge (Silbergrüner Bläuling) und Reptilien (Schlingnatter) das Naturschutzgebiet in Trier-West.

(Stand: Oktober 2010)

 
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