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Trierer Persönlichkeiten aus 2030 Jahren: Friedrich Spee

Friedrich Spee, Foto: Stadtbibliothek
Friedrich Spee, Foto: Stadtbibliothek

Trier anno 1635: In den Straßen tobt der Dreißigjährige Krieg. Spanische Truppen kämpfen gegen französische, die die wirtschaftlich ruinierte Stadt bislang besetzt hielten. Der Jesuit Friedrich Spee hadert mit sich und Gott. Trotz der anhaltenden Kämpfe fühlt er sich zum Handeln herausgefordert und beschließt, weiterhin Verletzte zu pflegen. Er kümmert sich sogar um die französischen Soldaten, obwohl in deren Reihen die Pest ausgebrochen ist. Spee bezahlt seinen humanitären Einsatz mit dem Tod: Auch er infiziert sich mit der Krankheit und stirbt.

Einsatz für Menschen in Not

Bei der Annäherung an die Persönlichkeit Friedrich Spees spielt der historische Hintergrund eine wichtige Rolle: Er lebte in einer sehr unruhigen Zeit, die nicht nur durch den Dreißigjährigen Krieg mit seinen flächendeckenden Zerstörungen, Epidemien und Hungersnöten geprägt war, sondern auch durch Konfessionsstreit und Hexenwahn. Mit seinem bedingungslosen Einsatz für Menschen in Not setzte der Geistliche in dieser düsteren Zeit ein Zeichen der Hoffnung und Nächstenliebe.

Spee, nach der Herkunft seines adligen Familienzweiges auch mit dem Zusatz „von Langenfeld“ bezeichnet, wurde 1592 als Sohn eines hohen kurkölnischen Beamten in Kaiserswerth bei Düsseldorf geboren. Als Mitglied der privilegierten Stände genoss er eine gute Erziehung. Mit 19 Jahren trat er in das Noviziat der Jesuiten in Trier ein (heute Mutterhaus der Borromäerinnen). Wegen Ausbruchs der Pest musste Spee nach Fulda wechseln, wo er die ersten Gelübde ablegte. Nach dem Noviziat absolvierte er ein dreijähriges Philosophiestudium in Würzburg. Über den Jesuitenpater Georg Vogler machte er dort intensive Erfahrungen mit katechetischen Liedern. Ersten Veröffentlichungen seiner Lieder folgten bald Übernahmen in ein Gesangbuch seines Ordens. Noch im heute gebräuchlichen Gotteslob werden viele seiner insgesamt mehr als hundert Gesänge wie „O Heiland, reiß die Himmel auf“ oder „Zu Bethlehem geboren“ oft und gern angestimmt.

Seine berufliche Laufbahn setzte Spee mit zwei Jahren Jugendarbeit und einem Theologiestudium in Mainz fort. Nach Priesterweihe und Studienabschluss schickte man ihn als Dozent zur Jesuiten-Universität nach Paderborn. 1628 wurde Spee beauftragt, die Rekatholisierung in Peine in Angriff zu nehmen. Er kam dieser Aufgabe sowohl mit Härte als auch sozialem Engagement nach und wurde bei einem Attentat im April 1629 lebensgefährlich verletzt.

Bekämpfer des Hexenwahns

Nach seiner Rekonvaleszenz erhielt Spee den Lehrauftrag für Moraltheologie in Paderborn, wo zu dieser Zeit heftige Hexen-Verfolgungswellen mit vielen Opfern wüteten. Als Beichtvater der zum Tode verurteilten Frauen machte er aus seiner kompromisslosen Ablehnung der Hexenprozesse keinen Hehl. Seine kritische Haltung manifestierte er in der im Mai 1631 anonym erschienen Schrift „Cautio Criminalis“. Spee folgte damit seinem Gewissen vor allem Ordensgehorsam. Da seine Verfasserschaft in Kirchenkreisen jedoch bekannt war, drohte ihm die Entlassung aus der Gesellschaft Jesu. Um ihn aus dem Schussfeld der Kritik zu ziehen, wurde Spee im Herbst 1632 unter anderem als Professor der Kasuistik und als Beichtvater der Krankenhäuser und Gefängnisse nach Trier entsandt, wo er zwei Jahre später mit der Lehre der Exegese beauftragt und damit rehabilitiert wurde. Hier vollendete er auch seine berühmte Liedersammlung „Trutz-Nachtigall“, die neben seinem „Güldenen Tugendbuch“, dem ersten großen Andachtsbuch für Frauen, jedoch erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde.