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Die heilige Stadt - Trier im Früh- und Hochmittelalter

485 bis 1307

Das Trierer Stadtsiegel (Mitte 12. Jh.) gilt als eines der ältesten in ganz Europa. Foto: Stadtarchiv, Anja Runkel
Das Trierer Stadtsiegel (Mitte 12. Jh.) gilt als eines der ältesten in ganz Europa. Foto: Stadtarchiv, Anja Runkel
Ende des 5. Jahrhunderts war von dem einst pulsierenden städtischen Leben in Trier nichts mehr übrig geblieben, die Einwohnerzahl drastisch zurückgegangen. Dennoch: Die Trierer Bischofsliste setzte sich auch in dieser Zeit fort und die Bischöfe waren es auch, die jetzt das Machtvakuum ausfüllten und als weltliche Herrscher in Erscheinung traten. Als Metropolitanbistum war Trier den benachbarten Diözesen Metz, Toul und Verdun übergeordnet. Seit dem ausgehenden 6. Jahrhundert war Trier auch wieder Münzstätte.

Bei den fränkischen Reichsteilungen des 9. Jahrhunderts fiel Trier zunächst an das Mittelreich Lotharingien und ab 869 an das ostfränkische und spätere deutsche Reich. Dann kam die Katastrophe des Jahres 882: Von Gründonnerstag bis Ostersonntag wüteten normannische Krieger in der Stadt, die dabei völlig zerstört und niedergebrannt wurde. Viele Einwohner kamen ums Leben.

Es dauerte einige Jahrzehnte, bis sich Trier von diesem Schlag erholt hatte. Hilfreich waren nicht zuletzt die durchweg guten Beziehungen der Trierer Erzbischöfe zu den Herrscherhäusern der Ottonen und Salier. Trier wurde erneut mit vielen Privilegien ausgestattet, darunter das Marktrecht. Das von Erzbischof Heinrich 958 errichtete Marktkreuz symbolisierte das wieder gewonnene Selbstbewusstsein und markiert bis heute das Zentrum der Stadt.

Civitas sancta (= heilige Stadt) war im Hochmittelalter ein treffender Beiname von Trier. Die Zahl der Kirchen, Klöster und Stifte war schier unübersehbar. Herausragende Bedeutung im geistlichen Leben erlangten die Reichsabtei St. Maximin im Norden und die Abtei St. Matthias mit dem Grab des Apostels Matthias im Süden der Stadt. 1030 ließ sich der griechische Mönch Simeon im Ostturm der Porta Nigra einschließen, um sein Leben in Einsamkeit und Askese zu beschließen. Nach seinem Tod 1035 und der sofortigen Heiligsprechung ließ Erzbischof Poppo die Porta Nigra ihm zu Ehren in eine Kirche umbauen - dadurch blieb dieses Bauwerk als einziges Tor der römischen Stadtmauer bis heute erhalten.

Auch für andersgläubige Menschen war Trier ein Anziehungspunkt: Bereits im 11. Jahrhundert gab es in Trier eine jüdische Gemeinde, die Mitte des 14. Jahrhunderts etwa 300 Menschen umfasste. Das Judenviertel mit Synagoge und einem Ritualbad ("Mikwe") befand sich im Stadtzentrum in direkter Nachbarschaft des Hauptmarkts. 1349 wurde das blühende jüdische Gemeindeleben jedoch durch einen Pogrom, der im Zusammenhang mit der Pestepidemie in Europa stand, jäh beendet. Bis 1418 wurden alle jüdischen Einwohner aus Trier vertrieben.    

Unterdessen entstand im 12. und 13. Jahrhundert mit dem Schöffenkolleg das erste Organ der kommunalen Selbstverwaltung, das zunächst von einigen wenigen Patrizierfamilien dominiert wurde. Zur gleichen Zeit wurde die mittelalterliche Stadtmauer errichtet. Die neue Befestigung umschloss eine Fläche, die kaum halb so groß war wie zur Römerzeit ein Jahrtausend zuvor. Unmittelbar neben dem Dom entstand im 13. Jahrhundert auf einem kreuzförmigen Grundriss die Liebfrauenkirche, die zu den frühesten Bauwerken der Gotik in Deutschland zählt.

 
Bildergalerie
  • Das Marktkreuz wurde 958 auf dem Hauptmarkt errichtet. Heute steht an der Stelle eine Kopie (Foto), das Original befindet sich im Stadtmuseum Simeonstift.
  • Der Egbert -Codex (10. Jh.) mit seinen 60 Miniaturen zum Leben Jesu entstand im Auftrag des Trierer Erzbischofs Egbert und zählt zu den bekanntesten Handschriften weltweit. Das Original befindet sich in der Stadtbibliothek. Foto: Faksimile-Verlag.
  • Der Heilige Simeon als Eremit in der Porta Nigra (Ölgemälde aus dem 18. Jahrhundert). Foto: Stadtmuseum Simeonstift.
  • Zu Ehren Simeons wurde die Porta Nigra in eine Doppelkirche umgebaut (Kupferstich von Caspar Merian, ca. 1670). Foto: Stadtmuseum Simeonstift.
  • Charakteristisch für die Siedlungsstruktur im Hochmittelalter waren festungsähnliche Wohntürme der Adelsfamilien. Bis heute gut erhalten ist der "Frankenturm" in der Dietrichstraße (Foto).
  • Einzigartiges Kirchenensemble seit dem 13. Jahrhundert: Der Dom und die frühgotische Liebfrauenkirche (rechts).
 
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