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Trierer Persönlichkeiten aus 2030 Jahren: Simeon aus Syrakus

Simeon aus Syrakus
Das Grabmal Simeons mit einer Plastik aus dem 18. Jahrhundert befindet sich heute in der gleichnamigen Pfarrkirche in Trier-West.

Trier im November 1030: In einem feierlichen Akt schließt Erzbischof Poppo den griechischen Mönch Simeon in eine winzige Zelle im Ostturm der Porta Nigra ein. Bis zu seinem Tod viereinhalb Jahre später sollte Simeon seine Klause nicht mehr verlassen. Den größten Teil dieser Zeit verbrachte er in stillem Gebet. Die Nahrung – Wasser und Brot, aber auch Wein und Gemüse – wurde ihm in einen Korb gelegt, den er an einem Seil zu sich hinaufzog. Oft wurde Simeon von Wahnvorstellungen geplagt. Gegen diese „Dämonen“ wehrte er sich, indem er mit lauter Stimme die Psalmen der Bibel rezitierte.

Was heute wie eine schreckliche Strafe erscheint, war für Simeon, der sich ganz bewusst für ein Dasein als Eremit entschieden hatte, die Erfüllung seines Lebenszwecks. Doch weltfremd war er nicht, ganz im Gegenteil: Er sprach Griechisch, Ägyptisch, Arabisch, Syrisch und Romanisch. Im Laufe seiner Reisen und Pilgerfahrten legte er schätzungsweise 25000 Kilometer zurück. „Gerade diese Weltläufigkeit, die ihn trotzdem nicht von einer tiefen Frömmigkeit, einer bis zur letzten Konsequenz geübten Religiosität abgebracht hat, macht ihn zu einer hochinteressanten Persönlichkeit“, so Alfred Haverkamp, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Trier.

Pilgerführer im heiligen Land

Geboren wurde Simeon um 980/90 als Sohn eines griechischen Offiziers in Syrakus auf Sizilien. Nach einer theologischen Ausbildung in Konstantinopel konnte es der junge Simeon kaum erwarten, die heiligen Stätten in Palästina zu besuchen. „Er wollte nur noch als ein Armer dem armen Christus nachfolgen“, heißt es in der Simeon-Biographie des Abtes Eberwin von St. Martin in Trier. Aus der ersten Wallfahrt ins heilige Land wurde ein Aufenthalt von sieben Jahren. Schon bald war Simeon mit den biblischen Stätten so vertraut, dass er sich als Pilgerführer betätigen konnte.

Auf die Dauer brachte Simeon dieses Dasein aber keine religiöse Erfüllung. Schließlich fand er Aufnahme im Katharinenkloster am Berg Sinai. Doch auch dort war es ihm noch nicht abgeschieden genug: Mehrmals ließ er die Mauern der Abtei hinter sich und suchte die Einsamkeit und Askese in der Wüste.

Piratenüberfall auf dem Nil

Nach einiger Zeit wurde Simeon von seinem Abt nach Europa geschickt, denn das Kloster brauchte Geld. Simeon sollte Richard II., Herzog der Normandie, aufsuchen, der sich schon früher als großzügiger Spender erwiesen hatte. Die Beschreibung dieser Reise liest sich wie das Drehbuch zu einem Action-Thriller: Noch im Nildelta wurde Simeons Schiff von Piraten überfallen. Er konnte sich nur mit einem Sprung in die Fluten retten und erreichte nackt und völlig mittellos mit letzter Kraft das Ufer.

Unverzagt setzte er die Reise zu Fuß fort und gelangte nach vielen Um- und Abwegen in die Normandie – nur um festzustellen, dass Herzog Richard verstorben war und um seine Nachfolge eine Fehde entbrannt war. Geld gab es hier vorerst nicht zu holen, daher machte sich Simeon auf den Weg zu Abt Eberwin aus Trier, den er während der Reise kennen und schätzen gelernt hatte. So gelangte Simeon wohl im Jahr 1027 erstmals nach Trier. Eberwin stellte ihn Erzbischof Poppo vor und schnell fasste man den Entschluss, unter Simeons bewährter Führung eine Pilgerfahrt in den Orient zu organisieren. Nach der Rückkehr 1030 war Simeon endgültig von dem Wunsch beseelt, sein Leben als Einsiedler zu beschließen. Poppo gewährte ihm die Porta Nigra als Refugium.

Nachdem Simeon Anfang Juni 1035 verstorben und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt worden war, betrieben Poppo und Eberwin zielstrebig die Heiligsprechung ihres Schützlings. Mit Hilfe der von Eberwin verfassten Biographie, die Poppo nach Rom schickte, wurde Papst Benedikt IX. von der vorbildlichen Frömmigkeit Simeons überzeugt. Noch im Dezember 1035 verkündete Benedikt die Kanonisation. Poppo gründete daraufhin neben der Porta Nigra ein Klerikerstift auf den Namen des Heiligen. Heute beherbergt das Gebäude unter anderem das städtische Museum. Die Porta Nigra als Grabstätte Simeons wurde in eine Doppelkirche umgebaut und erst unter Napoleon wieder freigelegt.