Sprungmarken

Geschichte von Tarforst

Text: F. Wollscheid

Tarforst und Umgebung sind alter geschichtlicher Boden. Dr. Kentenich (in „Geschichte der Stadt Trier“, S. 131) bezeichnet „ad sanctos arbores“ (zu den heiligen Bäumen) als Dorf der Römerzeit, das in der Nähe eines heiligen Haines lag. Im Laufe der Jahrhunderte entstand durch die Umformung der lateinischen Worte der Name Centarbers, wie urkundlich 1072, 1217 und 1135 erwähnt. Centarbers gehörte zu den Besitzungen der Abtei St. Maximin. Genannt wird der Ort in Urkunden im Jahre 1400 auch Tarburst, 1609 als Tarfurst.

Die Tarforster errichteten in ihrem Dorf - mit 21 „Haushaltungen“ - 1695 eine eigene „neue“ Kapelle und einen Friedhof. Diese Kapelle wurde 1780 zu einer Kirche erweitert und bildet das Mittelschiff der heutigen Kirche. Der Bildstock mit Pietà am Eingang zu Alt-Tarforst wurde 1670 errichtet.

Das älteste Haus von Tarforst, früher im Dorf der „Maximeiner Hof“ genannt, mit dem schönen Treppenturm, steht in der Straße Am Hötzberg 4, wenn man die Jahreszahl 1586 über dem Eingang zugrunde legt. Der Abt von St. Maximin war der Zehntherr von Tarforst und die Maximiner Zehntscheune war vermutlich Lagerplatz des Tarforster Heuzehnten und Kleinen Zehnten. Der Abt repräsentierte auch die Gerichtshoheit von St. Maximin im Dorf und es ist wahrscheinlich, dass seit Ende des 16. Jahrhunderts der Maximinische Hof auch Platz für Gerichtssitzungen war. Den säkularisierten Maximiner Hof kaufte um 1811 die Förster- und Jägersfamilie Blesius. Das Traditionshaus ist heute im Eigentum der Familie Gehlen und von ihr bewohnt seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Gemeinden Irsch, Kernscheid, Tarforst und Hockweiler wurden 1801 – 1808 zusammengefasst und die Tarforster mussten den Gottesdienst in Irsch besuchen. Kirchliche Dokumente belegen, dass es von Anfang an das Bestreben der Tarforster war, wieder die kirchliche Selbständigkeit zu erlangen. Entsprechende Anträge wurden im Laufe der Jahrzehnte wegen der geringen Einwohnerzahl regelmäßig abgelehnt. Es dauerte bis zum 1. April 1922, als der emeritierte Geistliche Nikolaus Thielen seine priesterliche Tätigkeit in Tarforst aufnahm, „zur großen Befriedigung und Freude der Tarforster, die damit einen lang gehegten Wunsch endlich in Erfüllung gehen sahen“.

Die Einwohnerzahl stieg, und schon bald war die Kapelle zu klein. Nach einer Bauzeit von einem halben Jahr wurde am 3. Oktober 1954 die Kirche in ihrer heutigen Form, mit der Erweiterung um zwei Seitenflügel, eingeweiht. Die bunten Glasscheiben der beiden vorderen großen Fenster im alten Mittelschiff (Heilige Familie und rechts der Apostel Andreas) stammen von dem Trierer Künstler Jakob Schwarzkopf. Der barocke Hauptaltar der Kirche ist aus der vorerwähnten Abtei St. Maximin. Neben der barocken Marienfigur (Maria immaculata, 18. Jhdt.) gehören auch die Seitenfiguren, der heilige Josef mit Kind und der heilige Donatus, zur ursprünglichen Ausstattung des Altars.

Der Kreuzweg in Tarforst gehört zu den markantesten seiner Art im Stadtgebiet. Tarforster Mitglieder der Marianischen Bürgersodalität haben 1929 den neugotischen Kreuzweg für 350 Reichsmark je Station und die Anschlusskapelle erworben. Von 1976 bis 1993 wurde, ausgehend von der Tarforster Bürgerinitiative Marcellus Gehlen, und mit Hilfe vieler Spender, eine Renovierung in verschiedenen Bauabschnitten durchgeführt.

Die Bewohner von Tarforst waren von Anfang an bodenständige Bauern. Die Ländereien reichten vom Petrisberg bis an die Ruwer und von der Grenze zu Filsch bis zum Grüneberg (der jetzigen Erprobungsstelle 41 der Bundeswehr). Im rein ländlichen Tarforst wurde fast ausschließlich Landwirtschaft (Acker-¬ und Weinbau, Viehzucht) betrieben. Handel und kleineres Gewerbe waren nur gering ausgeprägt. Die Arbeit in Haus und Feld war mühevoll und es mussten viele Feldarbeiten in Gemeinschaft mit den Nachbarn ausgeführt werden. Ausbesserungen von Straßen und Feldwegen sowie Waldarbeit wurde in Fronde durchgeführt.

Nicht alle Bewohner konnte der Boden ernähren und so suchten viele Arbeitsplätze in den Betrieben und Werkstätten der nahegelegenen Stadt Trier und den umliegenden Weingütern. Daher kam um die Jahrhundertwende 1900 der Aufbau der Staatlichen Weinbaudomäne – Einweihung 1911 - sehr gelegen, der dauerhafte Arbeitsplätze schaffte. Der 1. Weltkrieg 1914 – 1918 beendete jedoch die weitere Entwicklung, so wurden auch die jungen Männer von Tarforst eingezogen, 28 von ihnen sind gefallen oder vermisst. Auch der 2. Weltkrieg 1939 – 1945 hat in Tarforst große Spuren hinterlassen, 41 Tote und Vermisste. Entsprechend schwer war in den rund 65 Tarforster Familien das Leben in der Nachkriegszeit.

Schon seit jeher pilgerten Städter fast zu jeder Jahreszeit, besonders an Samstagen und Sonntagen, in großer Zahl nach Tarforst, um gastronomische Spezialitäten, selbstgebackene Brot, geräucherten Schinken und dazu guten Tarforster Viez zu genießen.

Strukturwandel und Technisierung der Landwirtschaft hielten in den 1950er Jahren Einzug. Anfang der 60er Jahre wuchs die Zahl der Einwohner kontinuierlich an und es wurden neue Baugebiete erschlossen (links und rechts der Andreasstraße). Weitere Flächen auf dem Grüneberg wurden zu dieser Zeit von der Staatlichen Vermögensverwaltung erworben – dort wo sich heute die Erprobungsstelle 41 der Bundeswehr mit einem Rundkurs für Ketten- und Räderfahrzeuge befindet.

Am 7. Juni 1969 wurde Tarforst mit seinen damals rund 450 Bürgern im Rahmen einer kommunalen Gebietsreform zusammen mit neun anderen Orten in die Stadt Trier eingemeindet. Damit endete die jahrhundertelange Selbständigkeit des Ortes. Beide Ereignisse, der Verlust der Felder, Wiesen und Wälder auf dem Grüneberg und der Tarforster Flur, bewirkten einen entscheidenden strukturellen Wandel für die Tarforster. Mit der Planung und dem Bau der Universität Trier auf dem Tarforster Plateau begann 1970 die dynamische Entwicklung des Höhenstadtteils und der rasante Anstieg der Einwohnerzahlen.

Bei Baubeginn der Universität (1970) gab es in Tarforst noch etwa 15 selbständige Landwirte – dazu kamen noch etwa 30 Familien für die die Landwirtschaft einen Nebenerwerb bedeutete. Insbesondere für die hauptberuflichen Landwirte bedeutete der Verlust der Felder auf der Tarforster Flur, dem ertragreichsten Land, eine Existenzfrage. Die meisten ehemals selbständigen Landwirte nahmen Beschäftigungen als Arbeitnehmer, viele an der Universität, an und der Erlös aus dem Verkauf der Ländereien wurde in Wohnhäusern angelegt. 2015 gibt es noch einen hauptberuflichen Landwirt, Maternus Dietzen mit seinem Benninger Hof.

Aus dem ehemals „verträumten Bauerndorf“ wurde ein bevorzugtes Wohngebiet, das die Vorteile der Stadt mit denen des Wohnens auf dem Land in überschaubaren nachbarschaftlichen Verhältnissen miteinander verbindet. Mit seinen schönen Wohngebieten, den vielen Wanderwegen und seiner Gastfreundlichkeit ist Tarforst als Naherholungsort beliebt und wird gerne aufgesucht.

Der Höhenstadtteil Tarforst hat heute rund 6700 Einwohner und besteht aus den Ortsteilen Alt-Tarforst, Trimmelter Hof und Trimmelter Berg. Die Nähe zur Stadt Trier und zur Universität, sowie die in den letzten Jahren ausgebaute Infrastruktur (Schulen, Kindertagesstätten, Einkaufszentren, Gastronomie, Freizeitmöglichkeiten usw.) machen Tarforst zu einem begehrten Wohnort, insbesondere für junge Familien. In keinem Stadtteil Triers ist der Anteil der 20- bis 30-Jährigen an der Gesamtbevölkerung so hoch wie in Tarforst.