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22.07.2016 | Konzert des Philharmonischen Orchesters

Helden und Tyrannen

Die Helden Hollywoods treffen auf die Tyrannen der Oper. Sternenkrieger. Teufel. Verliebte. Unglücklich Verliebte. Mafiosi und Lebensretter. Ritter und Romantiker. Befreiungskämpfer, siegreiche Krieger und kampflos sich Ergebende. Sie alle begegnen sich am 22. Juli vor der Porta Nigra und erleben ihre Abenteuer in einem Konzerterlebnis der besonderen Art: „Helden und Tyrannen“ heißt der kostenlose Abend, den die Stadt Trier und das Philharmonische Orchester den Klassikbegeisterten und Open Air-Fans in Trier und der Region schenken. Ein Abend voller Pathos, der auf historische Größe und ihre Sieger, aber auch auf deren Brutalität und Abgründe verweist.

Kaum war das Projekt an Generalmusikdirektor Victor Puhl herangetragen worden, wurde es zu einer Herzensangelegenheit. Der Wahnsinn großer Herrscher, die Naivität Einzelner, die zu ihrem Sturz oder ihrem Heldentum beitragen kann, schließlich die Geschichte großer Heroengeschichten von der Oper bis in die modernen Sagen der Kinoleinwand – dies alles faszinierte den 51-Jährigen von Anfang an. „Helden und Tyrannen sind ein Grundthema in der Oper, im Film und in der sinfonischen Literatur“, beschreibt Puhl seine Faszination für das Projekt.  „Aber auch wenn das Thema dem Publikum nicht bekannt sein sollte, die Musik kennt man auf jeden Fall. Natürlich sind ein, zwei Titel auch für Klassikinsider dabei. Aber insgesamt war es mir sehr wichtig, dass unser Konzert so publikumsnah wie möglich wird.“

Und so werden echte Klassiker der Opern- und Orchestermusik zu hören sein: der „Tanz der Ritter“ aus Prokofjews Oper „Romeo und Julia“, das „Torerolied“ aus Bizets „Carmen“ oder der Triumphmarsch aus Giuseppe Verdis „Aida“. Aram Chatschaturjans „Adagio“ aus seiner Ballettadaption der Spartacus-Heldensaga führt als einziges Musikstück des Konzerts auch in die Antike. Doch obwohl es natürlich die Nero-Ausstellung ist, die den Aufhänger zu diesem besonderen Open Air-Abend bildet – schließlich musste auch der als Frauenmörder und Christenverfolger in die Geschichte eingegangene Kaiser erfahren, wie schmal der Grat zwischen einem Helden- und einem Tyrannendasein ist – emanzipiert sich das Programm, das Puhl ausgearbeitet hat, stark vom antiken Vorbild: Zeitlich, indem er auch mehrere Melodien moderner Heldenepen aufgreift (Star Wars, Der Pate, Schindlers Liste), inhaltlich, indem er auch zwei berühmte Ouvertüren einbaut, in der musikalisch das Schicksal als solches beschworen wird: Verdis „La forza del destino“ („Die Macht des Schicksals“) trägt diese Verkettung unglücklicher Umstände bereits im Namen, während Pjotr Iljitsch Tschaikowskys „Ouvertüre 1812“ den Sieg Russlands über Frankreich in den napoleonischen Kriegen thematisiert.

Dank der Kanonenschüsse, die dort am Ende erklingen, verspricht  der Abend, buchstäblich ein Knaller zu werden. Und dabei, so betont Puhl, dennoch betont entspannt. „Unser Abend soll den Bürgerinnen und Bürgern ein Geschenk machen. Deshalb haben wir es von Anfang an als „Picknickkonzert“ geplant: kein Eintritt, jeder bringt sich selbst Stühle oder Decken mit und sitzt, wo er will“, erklärt er das Konzept. Damit, so freut sich auch Kulturdezernent Thomas Egger, sei der Abend eine Einladung an die ganze Stadt und eine außergewöhnliche Premiere. „Die hohe Qualität des Philharmonischen Orchesters Trier spricht natürlich schon allein für eine fantastische Atmosphäre. Aber noch dazu mit dieser Musikauswahl, vor besonderer Kulisse und in vollkommen ungezwungenem Rahmen – das hat es in dieser Form in Trier noch nicht gegeben.“

Das Konzert beginnt um 20 Uhr vor der Porta. Sitzgelegenheiten und Decken können frei mitgebracht werden. Bei schlechtem Wetter fällt das Konzert aus.

 
Bildergalerie
  • "Helden & Tyrannen"-Konzert 2016. Foto: ttm
  • "Helden & Tyrannen"-Konzert 2016. Foto: ttm
  • "Helden & Tyrannen"-Konzert 2016. Foto: ttm