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19.02.2019 | Ausstellung

Trier - eine Festungsstadt?

Kupferstich der Trierer Befestigungsanlagen im 18. Jahrhundert
Der Kupferstich von Matthäus Seutter (nach 1734) zeigt die Bastionen und Gräben rund um Trier in stark vereinfachter Form. Links unten ist das zum Fort ausgebaute Martinskloster zu erkennen. Abbildung: Stadtmuseum
Im 17. und 18. Jahrhundert war Trier eine viel umkämpfte Stadt. Das hatte gravierende städtebauliche Folgen, zeitweilig galt Trier als eine wichtige Festungsstadt. Das Stadtmuseum widmet diesem Abschnitt der Baugeschichte jetzt eine Ausstellung in seinem Stifterkabinett. Die meisten Bastionen, Schanzen und Redouten hatten nur eine kurze Lebensdauer.

Der französisch-niederländische Krieg, der Pfälzische Erbfolgekrieg und der Polnische Thronfolgekrieg sind heute vergessene Feldzüge, doch sie machten Trier zu schaffen. Die Einquartierung von Truppen, Sondersteuern an die Besatzer und eingeschleppte Krankheiten waren eine schwere Belastung für die einheimische Bevölkerung, die sich im Lauf des 17. Jahrhunderts von 5300 auf 2700 fast halbierte.

Auch zum Ausbau der Befestigungsanlagen wurden die Trierer regelmäßig zwangsverpflichtet, wie Dr. Bernd Röder, Kurator der Ausstellung, in seinem Einführungsvortrag berichtete. Die Umwandlung von Trier in eine Festungsstadt begann im 14. Jahrhundert mit dem Aufkommen von Geschützen und Schusswaffen. Die mittelalterliche Stadtmauer musste verstärkt werden, um dieser neuen Bedrohung standzuhalten.

Nach der Belagerung der Stadt durch Franz von Sickingen 1522 ließ Erzbischof Johann von Metzenhausen zunächst seine Nebenresidenz in Pfalzel zeitgemäß befestigen. Kurze Zeit später wurden auch rings um Trier neue Bollwerke errichtet, die aus der Stadtmauer hervorsprangen, um das Vorfeld besser kontrollieren zu können. Aus einer Auflistung von 1580 geht hervor, dass die Stadtmauer mit 44 Artilleriegeschützen bestückt war und von 51 Soldaten, den sogenannten „Letzgesellen", bewacht wurde.

Ab dem 17. Jahrhundert war Trier aufgrund seiner grenznahen Lage häufig Etappenort und Angriffsziel in den Auseinandersetzungen zwischen Frankreich einerseits sowie Österreich und seinen Verbündeten andererseits. Die französischen Militärs versuchten, die Stadt auf verschiedene Weise zu sichern: zunächst mit einer in Zick-Zack-Form verlaufenden Befestigung und weit nach außen vorgeschobenen Redouten, später wurden das Martinskloster und die Johanniterkommende zu mächtigen Forts am Moselufer ausgebaut. Der französische Gouverneur Vignory ließ 1673 sogar die im Vorfeld der Stadtmauer gelegenen Dörfer Maar und St. Barbara niederreißen, damit sie potenziellen Angreifern keine Deckung bieten konnten.

Marlboroughs Schanzring

Anders ging Herzog Marlborough vor: Der Befehlshaber der antifranzösischen Koalition im Spanischen Erbfolgekrieg ließ nach der Einnahme der Stadt 1704 einen Ring aus Schanzen, Gräben und hölzernen Palisaden errichten, der über den Petrisberg und Markusberg und damit weit außerhalb der Stadtmauern verlief. „Marlborough zog für diese Arbeiten 6000 Bauern aus den umliegenden Dörfern heran, was dann wiederum zu Ernteausfällen und Nahrungsmittelknappheit führte", erklärt Bernd Röder.

Als wichtiges Einfallstor nach Trier war die Römerbrücke in Kriegszeiten ein neuralgischer Punkt. Die Franzosen ließen die Brückenbogen 1689 sprengen, nur die antiken Pfeiler blieben stehen. Nach dem Wiederaufbau wurde die Brücke auf der stadtauswärts liegenden Seite mit einem Bollwerk gesichert.

All das brachte nicht viel: Trier konnte aufgrund seiner Tallage von allen Seiten beschossen werden und war grundsätzlich schwer zu verteidigen. So wechselte die Stadt sehr oft den Besitzer, was zur Folge hatte, dass die soeben mühevoll errichteten Forts gleich wieder geschliffen wurden. Die Ausstellung illustriert die Geschichte der Festungsstadt Trier in der Frühen Neuzeit anhand von zahlreichen zeitgenössischen Plänen, Karten und Stadtansichten, die zum größten Teil aus Beständen des Museums und aus dem Stadtarchiv stammen.

  • Trier – eine Festungsstadt? Stadtmuseum Simeonstift, bis 26. Mai. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Führungen: Freitag, 22. März, 14.30 Uhr, und Dienstag, 9. April, 13 Uhr.

Ralph Kießling