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23.03.2018

Was hat der Standort Trier, was andere Standorte nicht haben?

Christiane Luxem
Christiane Luxem, Amtsleiterin der städtischen Wirtschaftsförderung

Der Wirtschaftsstandort Trier zeichnet sich durch seine exponierte großregionale Lage mit Nähe zu Luxemburg, Frankreich und Belgien aus. Die Stadt Trier als einziges Oberzentrum der Region hat eine besondere Bedeutung, da sie eine Versorgungsfunktion über die Stadtgrenzen hinaus in wichtigen Bereichen, angefangen von Theater, bis hin zu großen Krankenhäusern wahrnimmt.

Von besonderer Relevanz für ihre Entwicklung sind die wirtschaftlichen Austauschbeziehungen zum benachbarten Großherzogtum Luxemburg. Trier ist ein attraktiver städtischer Wohnort mit zunehmender Bevölkerungszahl und gleichzeitigem überproportionalem Anstieg der Immobilienpreise (109.197 Einwohner in Trier Stadt / =10% Anstieg seit der Jahrtausendwende), 418.253 Einwohner in der Region Trier (= Stagnation der EW-Zahl). Die Flächenressourcen sind beschränkt, es besteht ein dringender Flächenbedarf für gewerbliche Nutzungen sowie für Wohnbebauung.

Auf das Oberzentrum Trier entfällt, verglichen zur Bevölkerungszahl, ein überproportional großer Anteil der wirtschaftlichen Aktivität: „Nur“ 20% der regionalen Einwohner leben in Trier, aber 32% (etwa 53.000 von 165.000 der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten) arbeiten in Trier. Das von ihnen erwirtschaftete BIP in Höhe von 4,3 Mrd. Euro entspricht etwa 30% des regionalen BIP. Aufgrund der hohen Arbeitspendlerströme in das Oberzentrum hinein, ist das BIP je Einwohner in Trier überproportional hoch.

Besonders ist, dass die Entwicklung der Gewerbeanmeldungen in Trier in den Jahren 2000 bis 2014 über dem Landesdurchschnitt von Rheinland-Pfalz sowie dem des IHK-Bezirks Trier lag. Erfreulich ist, dass sich in den letzten Jahren die Entwicklung der Gründungsbeständigkeit als sehr positiv herauskristallisiert hat. Die Unternehmen weisen eine höhere Überlebensquote und Marktbeständigkeit seit dem Jahr 2011 auf. Während 2011 noch 63% der Handelsregisterbetriebe die kritische 5-Jahreshürde gemeistert haben, sind es 2016 ganze 96%.

Auffällig ist in der Region Trier, dass Gründungen durch Frauen rund ein Drittel aller Existenzgründungen ausmachen. Grund hierfür ist die zeitliche Flexibilität, um ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen eigener Karriere und Familienleben zu erhalten. Aufgrund des hohen Tertiärisierungsgrades verfügt das Oberzentrum Trier über überdurchschnittlich viele Beschäftigte in wissensintensiven Bereichen. Der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist um 10% höher als im regionalen Durchschnitt. Auf der anderen Seite zeichnet sich Trier durch eine geringe Industriedichte aus: Nur 5% aller Beschäftigten arbeiten in Hochtechnologiebranchen (Vergleich: Gesamtregion: 7%; Gesamt-Rheinland-Pfalz: 15%). Circa 14% aller Beschäftigten in Trier sind Akademiker.

Zwei Fragen an Christiane Luxem, Amtsleiterin der städtischen Wirtschaftsförderung

Wie hat sich die städtische Wirtschaftsförderung auf die Trierer Rahmenbedingungen eingestellt?

Christiane Luxem: Seit April 2017 wird die Wirtschaftsförderung Trier neu ausgerichtet und befindet sich in einem Veränderungsprozess. Aufgrund geänderter Rahmenbedingungen, wie eine geringe Verfügbarkeit über gewerbliche Flächen, den Standortwettbewerb zu anderen Kommunen sowie die Fokussierung der Unternehmen auf weiche Standortfaktoren, wird eine neue Wirtschaftsentwicklungsstrategie erarbeitet. Neben der Bestandsentwicklung spielt hierbei die kompetenzfeldorientierte Wirtschafts- und Clusterförderung eine Rolle.

Durch eine Neuausrichtung des Standortmarketings ist es der Wirtschaftsförderung in kurzer Zeit gelungen ihr Alleinstellungsmerkmal als „One-Stop-Agency“ auszubauen. Neben einem florierenden Unternehmerservice (Lotse in die Verwaltung) konnte ein modernes bedarfsorientiertes Veranstaltungsmanagement für die Unternehmen aufgebaut werden. Durch neue Veranstaltungsformate (z. B. Cross-Learning Trier, Matching-Veranstaltung Business-Angels Rheinland-Pfalz, Roadshow „Meine Zukunft: Chefin im Handwerk“ in Kooperation mit dem Bundesfamilienministerium) konnten neue Zielgruppen gewonnen werden.

Was macht Trier zu einem attraktiven Standort?

Christiane Luxem: Aufgrund der Grenzpendlerverflechtungen zum Nachbarland Luxemburg verzeichnet Trier seit mehreren Jahren eine niedrige Arbeitslosenquote. Von der Grenznähe profitierend, gehen ca. 30.000 aus der Region Trier täglich ihrer Arbeit im benachbarten Luxemburg nach. Der Standort Trier verzeichnet nicht nur stabile Grenzgängerzahlen, sondern auch einen Anstieg der sozialversicherungspflichten Beschäftigungsverhältnisse um 5% von 2013 bis 2016. Trier gilt mit seinen rund 21.500 Studierenden als wichtiger Hochschulstandort (Universität Trier,Hochschule Trier).

Als attraktiver Lebens-/ Wohn- und Arbeitsort gehört Trier zu den deutschen Schwarmstädten. Im aktuellen Focus-Städteranking 2018 zählt Trier zu den Aufsteigern des Jahres. Besonders auffällig waren die folgenden Indikatoren: in der Kategorie „bester Business Standort“ belegt Trier bundesweit Rang 23. Darüber hinaus betrug das Wachstum der Gewerbeanmeldungen von 2014 bis 2016 4,6 Prozent (Rang 45). Die Breitbandversorgung der Haushalte mit mindestens 50 Mbit/s liegt deutschlandweit mit knapp 96 Prozent auf einem guten 36. Rang. Aufgrund der soziodemographischen Altersstruktur ist Trier die jüngste Stadt in Rheinland-Pfalz.

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