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23.03.2021

"Ein Moment, der unter die Haut ging"

Drei Gäste schauen sich ein Interview an einer Medienstation der ausstellung "Orte jüdischen Lebens" an.
Drei Gäste der Ausstellungseröffnung schauen sich ein Interview an einer Medienstation an. Davon gibt es insgesamt fünf, in denen jeweils sechs verschiedene Videos laufen. Foto: Stadtmuseum
Das Stadtmuseum Simeonstift hat am Sonntag unter Corona-Bedingungen eine neue Sonderausstellung eröffnet. Nicht nur der Start war ganz anders als gewöhnlich, auch die Ausstellungsgestaltung geht neue Wege: „Orte jüdischen Lebens in Trier. Eine Spurensuche in Interviews" zeigt statt musealer Objekte 30 Video-Interviews aus Trier und der Region. Ein Konzept, das bei den rund 200 Besucherinnen und Besuchern des Eröffnungstags gut ankam.

Als Hedi Schmitt um 17 Uhr aus dem Museum kam, hat sie die zwei Stunden ihres Zeitfensters voll ausgeschöpft. „Und ich komme wieder!", betonte die Rentnerin aus dem Landkreis Trier-Saarburg. Sie war nicht die einzige, die am Eröffnungstag der Ausstellung in die rund 30 Interviews mit Expertinnen und Experten eintaucht. Für viele waren die ausgewählten Orte eine Überraschung: „Von einigen Orten weiß man vage Bescheid, etwa bei der Judengasse. Andere Themen, wie die jüdische Vergangenheit der Weberbach, waren komplettes Neuland für mich", so ein Besucher am späteren Nachmittag.

Auch, wenn es wegen des Hygienekonzepts immer wieder zu Wartezeiten kam, war die Resonanz am Sonntag deutlich positiv. „Unsere Gäste zeigen großes Verständnis für die besonderen Umstände dieser Eröffnung", erklärte Museumsdirektorin Dr. Elisabeth Dühr. Interessierte mussten ihren Besuch vorher anmelden und ein Zeitfenster reservieren, im gesamten Museum gilt Maskenpflicht.

Die Resonanz auf das Thema sei dabei durchweg positiv gewesen: Dühr: „Viele geben die Rückmeldung, dass sie das Thema bislang zu wenig in der Öffentlichkeit sehen und äußern ein großes Interesse an der jüdischen Geschichte und Kultur."

Die in den Videos besprochenen Orte reichen vom Stadtgebiet bis weit in die Großregion hinein und spiegeln die Jahrhunderte jüdischer Geschichte in Trier wieder. Sie erzählen von Phasen friedlichen Zusammenlebens, florierenden jüdischen Familienunternehmen und ambitionierten Künstlern, aber auch von latentem Antisemitismus, von Pogromen, Verfolgung und Vernichtung.

Den Anlass zu der Ausstellung im Simeonstift gab das Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland", in dessen Rahmen in ganz Deutschland unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Veranstaltungen und Ausstellungen die jüdische Geschichte auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik beleuchten. Auch in Trier beteiligen sich viele Einrichtungen, darunter die Wissenschaftliche Bibliothek (Bericht unten). Dem Museumsteam war es wichtig, mit den angesprochenen Themen neben der kulturell reichhaltigen Vergangenheit und der Zäsur des Holocaust auch in der Gegenwart anzukommen. Wie sieht jüdisches Leben heute in Trier aus? Davon berichten zwei Video-Interviews mit Jeanna Bakal und Yaniv Taran in der Ausstellung.

Aber auch die jüdische Gemeinde gestaltete einen denkwürdigen Beitrag zur Eröffnung: Taissja Bakal, die Tochter der Vorsitzenden der jüdischen Kultusgemeinde, trug eigene Gedichte in jiddischer Sprache vor und wurde auf der Violine begleitet. Eine Besucherin meinte: „Das war ein unvergesslicher Moment, der unter die Haut ging. Gerade im Angesicht der langen Tradition und der schrecklichen Pogrome, die in dieser Ausstellung thematisiert werden."

Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, auch die Ausstellung „Ein besonderer Ort. 50 Jahre Universität Trier in Schlaglichtern" oder die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte zu besuchen. Für viele war es der erste Museumsbesuch seit Monaten und sie nutzen die Gelegenheit, direkt ein zweites Zeitfenster zu reservieren, wenn sie das nächste Mal im Simeonstift vorbeischauen wollen.

Kathrin Koutrakos

 

 
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