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21.07.2015

Leitfaden für attraktives Radroutennetz

Bild: Karte des geplanten Radroutennetzes in der Trierer Innenstadt
Die Karte zeigt das geplante Radroutennetz in der Trierer Innenstadt mit den Anbindungen in die umgebenden Stadtteile.
Welche Verkehrswege sollen für den Radverkehr in Trier ausgebaut werden? Welche Radverkehrsführung empfiehlt sich in welcher Straße? Diese und viele andere Fragen beantwortet das Radverkehrskonzept Trier 2025 (RVK), das derzeit in den politischen Gremien beraten wird. Die Rathaus Zeitung befragte Baudezernent Andreas Ludwig zu den wichtigsten Inhalten des 127 Seiten starken Maßnahmenkatalogs.

RaZ: Herr Ludwig, Sie sind selbst oft mit dem Fahrrad unterwegs. Welche Vorteile bietet dieses Verkehrsmittel für Sie gerade im Alltagsverkehr in der Stadt und wo sehen Sie bei der Radverkehrsführung speziell in Trier Nachholbedarf?

Ludwig: Radfahren ist natürlich in erster Linie gut für meine Gesundheit und Fitness, aber zugleich bin ich damit im Stadtverkehr ohne Lärm und Abgase oft schneller unterwegs als mit dem Auto. Und ich beanspruche beim Parken viel weniger Platz, der in der Innenstadt nun mal knapp bemessen ist. Einer der Nachteile in Trier ist, dass es zur Zeit noch einige Lücken im Radroutennetz gibt. Vor allem aber gibt es viele unklare Stellen, an denen die Verkehrsteilnehmer nicht wissen, was sie tun sollen.

Können Sie dafür Beispiele nennen?

Typischerweise entsteht so eine Situation am Ende von markierten Radwegen. Das lässt sich aber nicht immer vermeiden, weil in vielen Straßenabschnitten einfach nicht genügend Platz vorhanden ist, um neben den Autofahrspuren und Fußgängerwegen auch noch eigene Radverkehrsanlagen anzubieten. Hier sind andere Lösungen im Mischverkehr nötig. Und ganz viel Kommunikation bezüglich der Regeln und der gegenseitigen Rücksichtnahme der einzelnen Verkehrsteilnehmer untereinander.

Separater Radweg, Schutzstreifen, Umweltspur oder Fahrradstraße – es gibt viele Möglichkeiten, das Radfahren durch Markierungen und Umgestaltungen attraktiver zu machen. Worauf setzt das Trierer Radverkehrskonzept?

Wie bereits angedeutet: Es gibt in Trier sehr viele unterschiedliche Rahmenbedingungen in den einzelnen Straßenabschnitten. Es kann gut sein, dass auf einer Verbindung zwischen einem Stadtteil und der Innenstadt mehrere verschiedene Radführungsformen zum Einsatz kommen müssen. Eine einheitliche durchgehende Führung wird so gut wie nie möglich sein. Daher kommt es vor allem darauf an, wie die Übergänge zwischen den einzelnen Führungsformen gestaltet werden, also zum Beispiel der Übergang von einem Radweg im Seitenraum zu einer Führung auf der Fahrbahn. Diese Regelungen müssen so ausgestaltet werden, dass sie sowohl eindeutig erkennbar als auch zügig und komfortabel befahrbar sind und dabei die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewährleistet wird. Hierzu sind vor allem in Knotenpunktbereichen zahlreiche Vorschläge im Radverkehrskonzept enthalten, die es nun sukzessive umzusetzen gilt.

Fahrradstraßen, wie sie zum Beispiel für die Engel- und Hubert-Neuerburg-Straße vorgeschlagen werden, wären für Trier ein Novum. Welche Verkehrsregeln gelten dort?

Das Fahrrad ist dort das maßgebende Verkehrsmittel und Radfahrer dürfen auch nebeneinander fahren. Für Autos gilt Tempo 30, vor allem aber müssen sie sich dem Radverkehr unterordnen und anpassen. Die Nutzung durch Kraftfahrzeuge kann auch auf Anlieger beschränkt werden.

Wie kann die Situation an den Kreuzungen verbessert werden?

Dies ist sehr stark von den Gegebenheiten des jeweiligen Knotenpunktes abhängig. Grundsätzlich werden wir aber versuchen, an den wichtigsten Kreuzungen aufgeweitete Radaufstellstreifen zu installieren, wie sie zum Beispiel in der Mustor- und Gartenfeldstraße angelegt worden sind. Wichtig ist dabei aber, dass nach Möglichkeit auch eine eigene Radspur dorthin führt, so dass die Radfahrer sicher an den Autos vorbei ihren Aufstellstreifen erreichen können. Dies ist aus Platzgründen nicht immer möglich, wie die Beispiele Paulin- und Saarstraße zeigen. Daneben gibt es die Möglichkeit des so genannten indirekten Abbiegens, wobei der Radfahrer zunächst nach rechts geführt wird, um von dort dann mit den Fußgängern zusammen nach links abzubiegen. In bestimmten Fällen ist diese Lösung zu bevorzugen. Gerade von unsicheren Radfahrern wird diese Führung gegenüber einer Fahrbahnführung bevorzugt.

Ein wichtiges Ziel des RVK ist der Ausbau des Radwegenetzes. Welche Hauptrouten sind geplant?

Jeder Stadtteil soll mit der Innenstadt möglichst direkt, sicher, komfortabel und attraktiv verbunden sein. Da es sehr unterschiedliche Ansprüche der einzelnen Radfahrergruppen gibt, haben wir in vielen Fällen auch noch Alternativrouten vorgesehen, so dass man selbst wählen kann, ob man lieber entspannt durch einen Grünzug wie zum Beispiel das Aveler Tal oder die Kleingärten in Olewig radelt oder aber die parallel verlaufenden Hauptverkehrsstraßen nutzt. So sollen die Paulin- und Saarstraße für Radfahrer möglichst attraktiv und sicher gestaltet werden. Gleichzeitig wollen wir aber auch sehr attraktive und verkehrsärmere Achsen durch die Engelstraße in Trier-Nord und die Eberhardstraße in Trier-Süd anbieten, die als Fahrradstraßen einen besonderen Komfort für die Radfahrer bieten.  

Welche Einzelprojekte sind schnell umsetzbar und haben höchste Priorität?

Dazu gehören die Innenstadtrouten West und Ost mit entsprechender Ausweisung und dem Umbau wichtiger Knoten im Alleenring, die beschriebenen Fahrradstraßen als Fortsetzungen der Innenstadtrouten und die Anbindung des Hauptbahnhofs. Auch die Verbindung vom Moselradweg über die Kaiser-Wilhelm- Brücke in die Innenstadt sollten wir möglichst bald angehen. Die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht außerhalb der Moseluferstraßen können wir rasch umsetzen.

Papier ist geduldig und für die meisten Maßnahmen des RVK gibt es noch keine Finanzierung. Ist eine sukzessive Umsetzung trotz der schwierigen Lage des städtischen Haushalts möglich?

Man darf dabei nicht vergessen, dass vieles im Rahmen ohnehin anstehender Straßenbauprojekte erledigt werden kann. Im Radverkehrskonzept ist ein Planungsleitfaden enthalten, der bei allen Straßenplanungen in Zukunft zu Grunde zu legen ist. Und es wurde ja schon einiges geschafft, wie zum Beispiel die durchgängige Verbindung von den Kaiserthermen bis Mariahof, die Umgestaltung der Mustorstraße und der Radweg zur Hochschule. Ansonsten sind die einzelnen Maßnahmen sukzessive entsprechend ihrer Priorität in den Haushalt einzubringen. Insgesamt bin ich optimistisch, in den nächsten Jahren dem Ziel eines zusammenhängenden, attraktiven und sicheren Radverkehrsnetzes in Trier einen sehr großen Schritt näher zu kommen.

Das Gespräch führte Ralph Kießling

 
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