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21.05.2019

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Trierer Behindertenbeirat zieht Bilanz zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit / Neue Mitglieder gesucht

Der Behindertenbeauftragte Gerd Dahm und Heike Unterrainer von der Geschäftsstelle testen die Barrierefreiheit im Stadtbus. Archivbild: Behindertenbeirat
In der fast abgelaufenen Wahlperiode des Beirats waren der Behindertenbeauftragte Gerd Dahm und Heike Unterrainer von der Geschäftsstelle immer wieder unterwegs, um vor Ort zu testen, wie es mit der Barrierefreiheit aussieht. Dazu gehörte ein Termin in einem Stadtwerke-Bus. Archivfoto: Behindertenbeirat

Bauthemen standen im Mittelpunkt der letzten Sitzung des Behindertenbeirats in der zu Ende gehenden Wahlperiode. Der Behindertenbeauftragte Gerd Dahm hob positiv hervor, dass der Beirat jetzt immer aufgefordert wird, zu Bebauungsplänen Stellung zu nehmen und frühzeitig über private Bauanträge informiert wird. Im Bedarfsfall schaltet er Experten ein, damit die Interessen behinderter Menschen stärker berücksichtigt werden. Kritische Anmerkungen bezogen sich vor allem auf schon umgesetzte oder noch laufende Bauprojekte.

Als Beispiel nannte Dahm unter anderem die Neuverlegung des Pflasters in der Simeonstraße. Neben dem Lob für den Mittelstreifen, von dem neben Rollstuhl- auch Radfahrer profitierten, monierte er, dass die Fugen zwischen den Pflastersteinen unterschiedlich tief ausfallen, was für Rollstuhlfahrer zum Problem werden kann. Das hängt nach Einschätzung von Dahm damit zusammen, dass bei der Pflastererneuerung mehrere Firmen eingesetzt wurden. Insgesamt wünscht sich der Beirat gerade bei Projekten des Tiefbauamts, dass schon bei der Planung stärker standardisierte Vorgaben zur Barrierefreiheit berücksichtigt werden, damit später nicht jeweils im Einzelfall nachgebessert werden müsse.

Als weitere Fortschritte in den vergangenen fünf Jahren nannte Dahm die Rampe für Rollstuhlfahrer vor der Porta Nigra, den Einbau des Aufzugs im Theatergebäude und die Tatsache, dass jetzt alle Wahllokale im Stadtgebiet barrierefrei sind. Nicht nur an dieser Stelle habe sich die Hartnäckigkeit des Beirats ausgezahlt.

Der Beirat setzt sich auch bei privaten Projekten für Fortschritte im Sinne der Behinderten ein. Ein Beispiel ist die Umgestaltung des Eingangs zum Aldi-Supermarkt in der Nagelstraße.

In der Debatte der Beiratsmitglieder wurde außerdem das vor einiger Zeit verabschiedete städtische Inklusionskonzept hervorgehoben, von dem man sich Fortschritte in vielen verschiedenen Bereichen erhofft. Eine Dauerbaustelle für den Beirat bleiben öffentlich zugängliche barrierefreie Toiletten in der Innenstadt, vor allem am Hauptmarkt.

Der Beirat beschäftigte sich auch mit der Vorbereitung der neuen Amtsperiode, die voraussichtlich im nächsten Oktober beginnt, wenn der neue Stadtrat seine Arbeit aufgenommen und die von dem Gremium angeregte Überarbeitung der Satzung umgesetzt hat. Diese hat unter anderen das Ziel, die Abläufe zu vereinfachen. So soll es künftig beispielsweise möglich sein, die Einladungen zu den Sitzungen per E-Mail zu verschicken und nicht mehr als Brief. Zudem soll die Regelung für die Benennung eines Vertreters vereinfacht werden, wenn man nicht an einer Sitzung teilnehmen kann. Damit ein möglichst breites Spektrum von Menschen mit Behinderung im künftigen Beirat vertreten ist, wird außerdem OB Wolfram Leibe vor der Sommerpause einen Aufruf veröffentlichen, damit sich möglichst viele Interessenten melden. Bisher sind zum Beispiel noch keine Menschen mit geistiger Behinderung vertreten.

Zum Abschluss der Sitzung bedankte sich Dahm bei den Mitgliedern des Beirats für ihren großen Einsatz in den letzten fünf Jahren: „Das ist nicht selbstverständlich. Aus anderen Städten habe ich gehört, dass das nicht immer so unkompliziert läuft wie bei uns in Trier."

Petra Lohse