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Letzte Aufführung: 30. September 2018

Joya Ghosh & Friends spielt Urs Widmers Top Dogs

Top Dogs
Top Dogs

Business, das ist Krieg, Blut und Tränen.

Das Ensemble Joya Ghosh & Friends spielt Urs Widmers Top Dogs im Kasino

Trier. In Urs Widmers bitterböser Finanzsatire geht es um entlassene Topmanager, eben Top Dogs. Sie treffen in einem Outplacement-Center aufeinander, wo sie logistisch und psychologisch betreut werden müssen, „um den Schock der Entlassung abzufedern“. Um wieder seelisch in Form zu kommen und zur beruflichen Neuorientierung stehen Gruppentraining, Rollenspiele und psychologische Sitzungen auf dem Tagesplan.

Top Dogs ist ein bitterböses Stück über die Lügen und Selbstverherrlichungen der Globalisierung. Augenzwinkernd werden die seelischen Abgründe der ehemaligen Gewinner und Großverdiener – der Top Dogs – aufgetan. Die Figuren sind beinahe bemitleidenswerte Kreaturen, die von Scham zerfressen und von Verzweiflung zerrissen werden. Dabei flüchten sich die ehemaligen Lenker der Wirtschaftswelt ins Moralisieren und wirken doch nur jämmerlich entseelt.

In der Inszenierung von Melanie Telle und Joya Ghosh wird die Anzahl der Charaktere von 8 Personen auf 4 reduziert. Die vier Charaktere verkörpern hierbei vier unterschiedliche Managertypen, die exemplarisch für die Wirtschaftswelt 2018 stehen (Widmers Stück ist über 20 Jahre alt). Jensen, die Frau mit dem prominenten Busen, die das Stigma der Weiblichkeit schier nach „oben geschwemmt hat“, Neumann, der klassische Winner-Typ mit leichtem Aggressionspotenzial und hoher Affinität zu Zahlen, Kaiser, die Luxemburg-Pendlerin mit dem Mutterkomplex und Schulze, das servile Arbeitstier, das so gar nicht begreifen möchte, dass es nun keine 300.000 Euro Gehalt mit Extras und Boni pro Jahr geben wird.

Telle und Ghosh setzen auf eine Kaleidoskop-Struktur in ihrer Inszenierung, statt auf einen durchgehenden Handlungsstrang. Fast jeder ist hier mal Psychologe oder Finanzchef, und wer entlassen wird, ist später auch mal der Personalchef, der die Entlassung durchführt. Die Globalisierung frisst ihre Kinder, schrieb Urs Widmer. In der Trierer Inszenierung wird dem unheilvollen Streben nach mehr Macht, Geld und Ansehen unter anderem Kapitalismuskritik in Form von Karl Marx entgegengesetzt. Lieder der Arbeiterbewegung und aus dem Punk hieven den Text ins Jahr 2018 und verleihen ihm Aktualität wie nie zuvor. Hinzu kommen Sprechchöre, Anti-Aggressions- Körpertraining, Tanz und Gesang.

Das Projekt wird durch den Kultursommer Rheinland-Pfalz und die Stadt Trier gefördert. Es ist Teil des offiziellen Karl-Marx-Jubiläumsjahres.

Es spielen:
Kathrin Maier
Jan Philip Keller
Michael Roller
Joya Ghosh

Regie: Melanie Telle, Joya Ghosh

Video-/3D-Effekte: Bonko Karadjov

Aufführungen:
Premiere: 31.08.2018, 19:30 Uhr, Einlass 18:30
Weitere Aufführungen: 06.09./13.09./30.09.2018

Karten ab 12 Euro bei Ticket Regional und allen bekannten VVK-Stellen.

 
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