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20.11.2014

Heiner Geißler erhält Oswald von Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier 2015

Heiner Geißler
Heiner Geißler
(La) Als Auszeichnung für sein Lebenswerk erhält der frühere rheinland-pfälzische Sozial- und spätere Bundesminister Dr. Heiner Geißler (84) den mit 10.000 Euro dotierten Oswald von Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier 2015. Als Vorsitzender des Preisgerichts gab Oberbürgermeister Klaus Jensen die Entscheidung der Jury am Donnerstag bei einem Pressetermin bekannt.

Jensen sagte, mit der Auszeichnung werde das Lebenswerk des Sozialpolitikers Geißler gewürdigt, das sich stets in den Dienst der von Pater Nell-Breuning maßgeblich geprägten katholischen Soziallehre mit den Grundpfeilern der Solidarität, Subsidiarität und der Gerechtigkeit gestellt habe. Geißlers Einsatz für soziale Gerechtigkeit weltweit stehe in Einklang mit den Grundaussagen der christlichen Soziallehre, auf die sich der streitbare Christdemokrat für sein Handeln stets berufen habe.

Jensen wies darauf hin, dass Heiner Geißler während seiner zehnjährigen Amtszeit als rheinland-pfälzischer Sozialminister, aber auch später als Bundesminister in der praktischen Politik immer wieder herausragende sozialpolitische Akzente gesetzt habe, die auch von seinen politischen Gegnern anerkannt und als nachahmenswert eingestuft worden seien. Als Mitglied des Bundesvorstands der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und als Vorsitzender des CDU-Bundesfachausschusses Sozialpolitik habe der Sozialexperte Geißler Antworten auf die drängenden sozialen Fragen seiner Zeit zu geben versucht. Dabei habe er sich mit seinen Sozialkonzepten zu aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen, der Warnung vor einer entsolidarisierten Gesellschaft, der Demontage des Sozialstaats sowie seinen Bemühungen, den Konflikt zwischen Kapital und Arbeit auszugleichen, als Streiter für eine menschenwürdige Gesellschaftsordnung profilieren können.

Die hohe Wertschätzung des 1890 in Trier geborenen Jesuitenpaters Nell-Breuning habe Geißler in ungezählten Reden, Interviews und Schriften immer wieder zum Ausdruck gebracht. Bei vielen Gelegenheiten habe Geißler in Erinnerung gerufen, dass der soziale Friede und die soziale Ordnung der Bundesrepublik ohne das Werk Nell-Breunings nicht denkbar gewesen seien.

Bis in unsere Tage plädiere Geißler in seiner zuweilen heftigen Kritik gegenüber der aktuellen Wirtschafts- und Finanzpolitik leidenschaftlich für eine Neubelebung einer auf christlichen Werten basierenden gesellschaftlichen Ordnung, wie sie in der katholischen Soziallehre zum Ausdruck komme.

Geißler ist verschiedentlich mit Oswald von Nell-Breuning zusammen getroffen. Es gebe „viele Beweggründe“, die ihn mit dem „Nestor der Katholischen Soziallehre“ verbinden würden, hatte Geißler in einer Festrede im August 2013 anlässlich der Einsegnung einer Gedenkstele am Geburtshaus Nell-Breunings in der Trierer Lindenstraße gesagt. Dabei berichtete er auch von seinen Gesprächen mit Nell-Breuning, beispielsweise über das Thema der Nächstenliebe.

In einem Telefonat zeigte sich Geißler gegenüber Oberbürgermeister Jensen über die Zuerkennung des Preises sehr erfreut und sagte sein Kommen zur öffentlichen Preisverleihung zu. Gleichzeitig betonte er die inhaltliche und persönliche Verbundenheit mit Pater Nell-Breuning.   

Die feierliche Preisübergabe ist für Freitag, 13. März 2015, 17 Uhr, in der Promotionsaula des Bischöflichen Priesterseminars geplant. Hier legte Nell-Breuning 1908 als 18-Jähriger sein Abitur ab.

Die Laudatio auf Heiner Geißler wird auf Wunsch des Preisgerichts Ministerpräsidentin Malu Dreyer halten. Die Sozialdemokratin wurde 25 Jahre nach Geißlers Ausscheiden als rheinland-pfälzischer Sozialminister (1977) seine Nachfolgerin im Amt der Sozialministerin von Rheinland-Pfalz (2002 bis 2011).

Der Oswald von Nell-Breuning Preis, der die Verbundenheit der Stadt Trier mit ihrem großen Sohn und früheren Ehrenbürger dokumentieren und an das epochale Lebenswerk des Jesuitenpaters zur Weitergabe seines Vermächtnisses erinnern will, wird in diesem Jahr zum siebten Mal vergeben. Bisherige Preisträger waren Bundesverfassungsrichter a.D. Professor Dr. Paul Kirchhof (2003), Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (2005), das päpstliche Hilfswerk „Cor Unum (2007), die Brüder Dr. Hans-Jochen und Professor Dr. Bernhard Vogel (2009), Bundesminister a.D. Dr. Norbert Blüm (2011) sowie der gemeinnützige Verein „TransFair“ (2013). 

Lebenslauf Dr. Heiner Geißler

Leben und Beruf

 
03.03.1930 geboren in Oberndorf (Neckar)
1949 Abitur am Jesuitenkolleg in St. Blasien
1949 – 1957 Studium der Philosophie und der Rechtswissenschaften in München und Tübingen
1957 Erste juristische Staatsprüfung
1960 Promotion zum Dr. jur. an der Universität Tübingen
1962 Zweite juristische Staatsprüfung
1962 Richter am Amtsgericht Stuttgart
1962 – 1965 Büroleiter des baden-württembergischen Arbeits- und Sozialministers

Politik

 
1961 – 1965 Vorsitzender der Jungen Union Baden-Württemberg
1965 – 1967 Mitglied des Deutschen Bundestages
1967 – 1977 Minister für Soziales, Jugend, Gesundheit und Sport des Landes Rheinland-Pfalz
1971 – 1979 Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz
1974 – 1977 Mitglied des Bundesvorstandes der CDA
1974 – 1977 Vorsitzender des Bundesfachausschusses Sozialpolitik der CDU
1977 – 1989 Generalsekretär der CDU
1980 – 2002 Mitglied des Deutsches Bundestages
1982 – 1985 Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit
1986 – 1993 Vizepräsident der Christlich-Demokratischen Internationale
1989 – 2000 Mitglied des Bundesvorstandes der CDU
1991 – 1998 Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Quelle: Geschichte der CDU, Heiner Geißler, Konrad Adenauer-Stiftung

Schwerpunkte der politischen Tätigkeit
1967 – 1977

Sozialminister in Rheinland-Pfalz

Krankenhausreform
Gesetze zur Sportförderung
Gründung von Sozialstationen
Kindergartengesetze

1982 – 1985

Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit

Neuregelung des Anerkennungsverfahrens für Kriegsdienstverweigerer, Reform des Zivildienstes
Einführung eines Erziehungs- und Urlaubsgeldes
Anrechnung der Erziehungsjahre bei der Rentenversicherung

Während seiner Zeit als CDU-Generalsekretär (1977 bis 1989) zahlreiche, zum Teil in der eigenen Partei umstrittene Reformkonzepte u.a. zur Deutschland-, Familien- und Sozialpolitik sowie zu Fragen der Sicherheits- und Außenpolitik. Frühe Entwürfe über eine „Multikulturelle Gesellschaft“, Thesen zur Asylpolitik, Warnung vor einem aufkeimenden Nationalismus und vor den Auswüchsen neoliberaler Wirtschaftspolitik.

Unbequemer Querdenker, Mahner und Autor zahlreicher Veröffentlichungen, intensive Medienpräsenz, gefragter Redner und Teilnehmer in Diskussions- und Talkrunden.

Vielfach als Schlichter tätig, u.a. Deutsche Telekom, Lokführerstreik, Bahnprojekt „Stuttgart 21“.

Pater Oswald von Nell-Breuning SJ
(Sozialethiker, „Nestor der Katholischen Soziallehre“)

Lebensdaten
Geboren am 8. März 1890 in Trier
1908 Abitur am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Trier
1911 Eintritt in den Jesuitenorden
1928 Promotion in Münster
1931 Maßgebliche Mitwirkung an der päpstlichen Sozial-Enzyklika „Quadragesimo anno“
1948 bis 1965 Mitglied des wissenschaftlichen Beirates beim Bundeswirtschaftsministerium
ab 1956 Hochschullehrer an der Universität Frankfurt/M. und Professor an der philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen Frankfurt/M.
Berater zahlreicher Persönlichkeiten des politischen Lebens und sozial-politischer Gremien, darunter DGB und KAB.
1981 Ehrenbürger der Stadt Trier
gestorben am 21. August 1991 in Frankfurt/M.

Oswald von Nell-Breuning Preis der Stadt Trier
Beschluss des Stadtrates vom November 2002
Vorsitzender des Preisgerichts: Oberbürgermeister Klaus Jensen
Mitglieder des Preisgerichts: die im Stadtrat vertretenen Fraktionen, jeweils ein Vertreter der Theologischen und der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Trier, ein Vertreter der Philosophisch-Theologischen Fakultät der Hochschule Sankt Georgen Frankfurt/M., Geschäftsführer (ohne Stimmrecht)

Anliegen: Dokumentation der Verbundenheit der Stadt mit ihrem früheren Ehrenbürger, Erinnerung an das epochale Lebenswerk des Jesuitenpaters und Weitergabe seines Vermächtnisses mittels einer inhaltlichen Auseinandersetzung.

Vergabekriterien: Im Sinne des Vermächtnisses von Oswald von Nell-Breuning SJ für „eine herausragende sozialwissenschaftliche Arbeit, ein beispielhaftes soziales Werk, ein Lebenswerk oder für die Arbeit einer Organisation oder Einrichtung“ (Statut).

Vergabezeitraum: alle zwei Jahre

Ort und Zeitpunkt der Verleihung: Promotionsaula des bischöflichen Priesterseminars, zur Erinnerung an den Geburtstag Pater Nell-Breunings möglichst Anfang März.

Dotierung: 10 000 Euro

Bisherige Preisträger:
Bundesverfassungsrichter a. D. Professor Dr. Paul Kirchhof am 16. Oktober 2003
Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt am 18. Oktober 2005
Päpstliches Hilfswerk „Cor Unum“, repräsentiert durch Erzbischof Dr. Paul Josef Cordes (seit Oktober 2007 Kardinal) am 16. März 2007
Bundesminister a.D. Dr. Hans-Jochen Vogel und Ministerpräsident a. D. Professor Dr. Bernhard Vogel am 5. März 2009
Bundesminister a.D. Dr. Norbert Blüm am 6. April 2011
„TransFair“ Gemeinnütziger Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der „Dritten Welt“ am 9. April 2013

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