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11.11.2019 | Erinnerung an Pogromnacht 1938

Solidarität statt Hass

Stilles Gedenken am Standort der alten Synagoge in der Zuckerbergstraße: Jeanna Bakal, Yigal und Eve Yardeni, Wolfram Leibe (v. l.).
Stilles Gedenken am Standort der alten Synagoge in der Zuckerbergstraße: Jeanna Bakal, Yigal und Eve Yardeni, Wolfram Leibe (v. l.).

Die Gedenkstunde zur Erinnerung an die Opfer der November-Pogrome von 1938 in den Viehmarktthermen war auch geplant als Würdigung jüdischen Lebens in Trier bis in die Gegenwart hinein – mit Eve Yardeni, Enkelin des letzten Trierer Oberrabiners Dr. Adolf Altmann, als Gastrednerin. Das schreckliche Attentat auf die Synagoge in Halle einen Monat vorher rückte dann aber auch unbequeme Fragen an die deutsche Politik und Gesellschaft in den Fokus.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer bezeichnete das Attentat „als Anschlag auf uns alle, der einen tiefen Einschnitt für unser freies, demokratisches Land darstellt und der Politik und Gesellschaft grundsätzlich herausfordert." Alle seien verpflichtet, sich für den Schutz der jüdischen Gemeinden und ihrer Mitglieder einzusetzen. Der 9. November 1938 erinnere an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, das sich niemals wiederholen dürfe. Dreyer: „Unsere jüdischen Gemeinden können sich darauf verlassen: Jüdisches Leben in all seiner Vielfalt zu schützen und zu fördern, ist für die Landesregierung Staatsräson."

Die Familiengeschichte von Eve Yardeni, Enkelin des Trierer Oberrabiners Dr. Adolf Altmann, stehe „beispielhaft für das millionenfache Leid der deutschen und europäischen Jüdinnen und Juden durch die Diktatur der Nationalsozialisten." Wie Oberbürgermeister Wolfram Leibe bedankte sich Dreyer bei Yardeni und ihrem Mann, die eigens aus Israel angereist waren, für ihren Besuch.

Der Attentäter in Halle, hat, so OB Leibe in seiner Rede, „unsägliches Leid" angerichtet. Dennoch sei der 9. November auch dieses Jahr wieder ein Tag der Hoffnung, „auch wenn man sieht, wie viele Menschen jüdischen Glaubens heute wieder in Trier leben." Als Zeichen der Ermutigung angesichts der wachsenden Zahl hasserfüllter Äußerungen hob Leibe hervor, dass bei der Gedenkstunde „die Zivilgesellschaft sehr stark vertreten ist und auch die Stadtratsmitglieder durch ihre zahlreiche Teilnahme ein deutliches Zeichen setzen."

Erinnerung an Rabbi Altmann

Die 1939 im britischen Manchester geborene Eve Yardeni hat ihren Großvater Dr. Adolf Altmann, von 1920 bis 1938 Trierer Oberrabiner, nicht mehr persönlich erlebt. Er starb nach einer längeren Flucht und Odyssee durch mehrere Lager 1944 im KZ Auschwitz an Hunger und Entkräftung. Ihr Vater Alexander fand zusammen mit zwei Brüdern Zuflucht in England und in den USA.

Yardeni schilderte am Beispiel ihres Großvaters eindrucksvoll den vielfältigen und fruchtbaren Einfluss der jüdischen Kultur auf die deutsche Gesellschaft. Sie bezeichnete ihn als „hervorragenden Prediger und Lehrer" sowie „leuchtendes Beispiel für hingebungsvolles Pflichtbewusstsein und Charakterstärke."

Nach dem schrecklichen Einschnitt des Holocausts erfülle es sie mit großer Dankbarkeit, dass das Andenken Altmanns auf vielfältige Weise geehrt werde. Nach ihm ist eine Straße in Trier-Nord benannt. Yardeni würdigte die vielfältige Gedenkarbeit in Trierer Schulen und von vielen Gruppen der Zivilgesellschaft. Eigentlich sei es unvorstellbar, dass sich Ereignisse wie der Holocaust wiederholen könnten: „Aber in jüngster Zeit gibt es zu viele Zeichen des Hasses für jüdische Menschen und andere Minderheiten", sagte Yardeni in der Gedenkstunde.

Beitrag der Jugend

Weiterer eindrucksvoller Höhepunkt war das von einer Gruppe vom HGT unter der Leitung von Wolfgang Brinschwitz mit verteilten Rollen vorgestellte Gedicht „Todesfuge" von Paul Celan. Der Text des aus der heutigen Ukraine stammenden deutschsprachigen Autors skizziert eindrucksvoll die Leiden der NS-Opfer und enthält den berühmten Satz, dass der Tod „ein Meister aus Deutschland" ist. Das Schlusswort der knapp 90-minütigen Gedenkstunde sprach Jeanna Bakal, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde. Sie bedankte sich bei Eve Yardeni für ihre „eindrucksvolle Rede", würdigte aber auch den Beitrag der Jugendlichen. Das bewegende musikalische Rahmenprogramm gestalteten Noa und Tali Botmann (Geige und Klarinette) sowie Alia Fastowskaja (E-Piano).

Das Trierer Gedenkprogramm war eingeleitet worden mit einem Konzert im Theaterfoyer. Die AG Frieden bot danach einen „Rundgang gegen das Vergessen" an. Er führte zu Stätten des Nazi-Terrors und Stolpersteinen für die NS-Opfer. Die Organisatoren Thomas Zuche und Markus Pflüger zeigten sich mit der Resonanz sehr zufrieden. Der stillen Erinnerung an die Pogromopfer gewidmet war direkt vor der Gedenkstunde die traditionelle Kranzniederlegung an der Stele in der Zuckerbergstraße auf Einladung der Stadt und der Jüdischen Kultusgemeinde.

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