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08.07.2019

Kultursommer Rheinland-Pfalz 2020

Das Motto des 29. Kultursommers Rheinland-Pfalz 2020 wird „Kompass Europa: Nordlichter" heißen. Es soll dazu anregen, Angebote zu machen, bei denen man die Kunst und Kultur, aber auch die Lebensart der Länder Nordeuropas besser kennenlernt.

Dieses Motto steht im Zusammenhang mit dem „Deutsch-Dänischen Kulturellen Freundschaftsjahr" 2020 unter der Schirmherrschaft der Außenminister beider Länder sowie dem anstehenden 25-jährigen Jubiläum des Schengener Abkommens. Dies wird zum Anlass genommen, während der vier nächsten Kultursommer die Offenheit Europas, seine kulturelle Vielfalt und seine vielen Gemeinsamkeiten zu feiern und die große Bedeutung der europäischen Einigung erneut ins Gedächtnis zu rufen. Das Jahr 2020 ist der Auftakt für vier Kultursommer, die im Motto den Obertitel „Kompass Europa" tragen und in denen die Kompassnadel zunächst 2021 weiter nach Osteuropa wandern soll (Arbeitstitel: „Kompass Europa: Ostwind"), 2022 nach Südeuropa und 2023, wenn Rheinland-Pfalz erneut die Präsidentschaft in der Großregion innehaben wird, nach Westeuropa.

2020 beginnt mit Nordeuropa. Es gibt zahlreiche Beziehungen von Kunstschaffenden und gemeinsame Themen, die Rheinland-Pfalz mit den jeweiligen Ländern verbinden. Der „Kompass Europa" unterscheidet dabei nicht nach der politischen Zugehörigkeit: Zusätzlich zu den EU-Staaten in Skandinavien und im Baltikum sollen Island und Norwegen berücksichtigt werden. Das Motto bietet die Chance, die Kunst- und Kulturszene nordeuropäischen Länder zu erkunden und neben großen Namen und Klassikern auch (noch) weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler zu entdecken.

In der Literatur reicht das Spektrum von der Märchenwelt des H.C. Andersen und den Figuren von Astrid Lindgren über „Nordic Noir" mit Autoren wie Henning Mankell oder Jo Nesbø, die das Genre des zeitgenössischen Kriminalromans revolutionierten und mit dem grüblerischen Kurt Wallander oder dem unorthodoxen Harry Hole moderne (Anti-) Helden geschaffen haben, bis hin zu Bestseller-Autoren wie Maja Lunde, Jostein Gaarder und Karl Ove Knausgård.

Nordlichter – auch ein Anlass, sich wieder einmal mit dem Werk von Henrik Ibsen oder August Strindberg auseinanderzusetzen, die das Theater der Moderne entscheidend geprägt haben, oder die circensischen Bilderwelten des schwedischen Circus Cirkör zu entdecken.

Im Bereich Film könnte man zum Beispiel zurückblicken auf Ingmar Bergmann oder die Dogma 95-Ästhetik der dänischen Regisseure Lars von Trier und Thomas Vinterberg oder aber die skurrilen „Öko-Arthouse"-Filme des isländischen Schauspielers und Regisseurs Benedikt Erlingsson kennenlernen.

Skandinavisches Design ist von schlichter Formalität und Funktionalität geprägt. „Erfunden" wurde es von den Architekten und Industriedesignern Alvar Aalto und Arne Jacobson und ist heute noch formgebend. Ein Beispiel dafür ist das Opern- und Konzerthaus Harpa in Reykjavik mit der vom Künstler Ólafur Elíasson gestalteten wabenartigen Fassade, aber auch das umstrittene Mainzer Rathaus.

Neben den Werken von Edvard Grieg, Jean Sibelius, M.K. Čiurlionis oder Arvo Pärt birgt die nordische Musikszene auch musikalische Kuriositäten: So hat Finnland nicht nur eines der größten Tangofestivals der Welt, es gilt als das Land mit der größten Dichte an Heavy Metal Bands. Aber auch der Akkordeon-Virtuose Kimmo Pohjonen, der in seinen Kompositionen Volksmusik, Klassik und Rock verschmilzt, kommt von dort. Das kleine Island hat eine beeindruckende Zahl bekannter Musikerinnen und Musiker hervorgebracht – die wahrscheinlich prominenteste ist Björk, aber auch Sigur Rós und Ólafur Arnalds zählen dazu. Aus Estland, Lettland und Litauen, aber auch aus Norwegen und Schweden kommt großartige Folklore und exzellente Chormusik. Einen Ausblick darauf gibt es bereits zum Abschluss des Kultursommers 2019, wenn der 80 Kehlen starke Männerchor „Orphei Drängar" im Oktober mit vier Konzerten in Rheinland-Pfalz zu Gast ist.

In seiner Europarede von 1953 erklärte der spanische Philosoph Ortega y Gasset: „Vier Fünftel unserer geistigen Habe sind europäisches Gemeineigentum." Doch was wissen wir eigentlich von der Kultur unserer Nachbarländer und von den kulturellen Beziehungen, die zum Teil seit Jahrhunderten zwischen ihnen und uns bestehen – zwischen Norddeutschland und den anderen Ostseeanrainerstaaten zum Beispiel durch die Hanse und den Protestantismus? Sich das zu vergegenwärtigen und den Horizont zu erweitern ist das Ziel von „Kompass Europa". Bei all dem soll aber die Freude nicht zu kurz kommen! "Ich nehme an, dass es des Menschen Bestimmung ist, sich zu unterhalten", schrieb der dänische Philosoph Kierkegaard.

Künstlerinnen und Künstler können aber auch eine Förderung für ein Projekt beantragen, das sich nicht auf das Motto bezieht. Projekte mit Mottobezug werden aber immer Priorität bei der Auswahl des Kultursommers haben. Ein Teil des Budgets ist wieder für neue Projekte aus der jungen Kulturszene vorgesehen.

Der Kultursommer Rheinland-Pfalz bittet darum, das praktische und kostengünstige Online-Antragsverfahren zu nutzen. Die seit dem 1. Januar 2018 gültige Förderrichtlinie erleichtert vieles. Sie finden diese und die Antragsunterlagen unter www.kultursommer.de/schaffen.

Einsendeschluss für 2020 ist der 31. Oktober 2019. Der Kultursommer Rheinland-Pfalz kann keine Anträge berücksichtigen, die nach diesem Termin eingehen. Bei neuen Projekten mit einem Zuschussbedarf über 5.000 Euro wird darum gebeten, bis Ende September 2019 einen vorläufigen Antrag (Projektskizze mit Kosten und Finanzierungsplan) vorzulegen. Das Kultursommerbüro berät Sie gern.

Die offizielle Eröffnung des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2020 wird am zweiten Maiwochenende (8.-10. Mai) in Zweibrücken in der Westpfalz stattfinden.

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