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03.12.2013

Eine Stadt in neuem Licht

Bild: Foto: Trier bei Nacht, Blick von der Mariensäule
Der Blick von der Mariensäule auf Trier ist auch bei Nacht lohnend, doch die charakteristischen Merkmale der Stadt sind nur schwer ablesbar.
Trier ins rechte Licht rücken: Das ist das Ziel des Lichtmasterplans, der 2014 vom Stadtrat beschlossen werden soll. Im Gespräch mit der Rathaus Zeitung (RaZ) erläutert Experte Uwe Knappschneider, worauf es bei der Modernisierung der nächtlichen Beleuchtung im öffentlichen Raum ankommt.

2001 gründete Uwe Knappschneider mit seiner Frau Sonja Dünnebier das Büro Licht-Raum-Stadt-Planung mit Sitz in Wuppertal und Karlsruhe. Der Diplomingenieur hat mit einem Team von Architekten, Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und Lichttechnikern bereits in 35 Städten, darunter Leipzig, Stuttgart und Esch-sur-Alzette, Lichtkonzepte erstellt. Zur Zeit arbeitet er im Auftrag des Rathauses am Lichtmasterplan für Trier.

RaZ: Was sind die wichtigsten Aufgaben des Lichtmasterplans in Trier und welche Stadtgebiete werden abgedeckt?

Knappschneider: Im Lichtmasterplan geht es darum, die drei wichtigsten Lichtarten im öffentlichen Raum aufeinander abzustimmen: funktionales Licht, also vor allem die Straßenbeleuchtung, Architekturlicht, also die Hervorhebung wichtiger Gebäude und historischer Baudenkmäler, und kommerzielles Licht, also die Beleuchtung von Geschäften zu Werbezwecken. Wir können dabei nicht das gesamte Stadtgebiet abdecken, sondern konzentrieren uns auf Schwerpunkte, darunter die Altstadt innerhalb des Alleenrings. Zudem untersuchen wir beispielhaft die Stadtteile Gartenfeld und Irsch, die Bitburger und die Olewiger Straße als Einfallstraßen und die Diedenhofener Straße als Gewerbestraße.

Welche Defizite weist die Straßen- und Architekturbeleuchtung in Trier auf und welche Verbesserungen schlagen Sie vor?

Die Funktionalbeleuchtung ist auf dem Stand der Technik von vor 30 Jahren mit einem unkontrolliert gewachsenen Konglomerat verschiedener Leuchtentypen. Zur Vereinheitlichung wird eine Familie mit Leuchten gleicher Bauart empfohlen, die verschiedene Anforderungen abdecken. Zum Beispiel kann die Lichtpunkthöhe der Straßenbeleuchtung zwischen fünf und zehn Metern variieren.

Was ist Ihnen noch aufgefallen?

In Trier gibt es wie in vielen anderen Städten zuviel Licht, das ungenutzt verschwendet wird. Man spricht in diesem Zusammenhang von „Lichtverschmutzung“. Das Licht sollte aber nur dahin kommen, wo es gebraucht wird. Dann könnte man zum Beispiel die Moselbrücken als herausragende Stadteingänge wesentlich besser betonen. Ähnliches gilt für die Vernetzung der Innenstadt mit dem Moselufer – das sind Wege, die man nachts als Fremder kaum findet. Es geht auch um die Präsentation der Stadt nach außen, indem man die Stadtsilhouette wieder ablesbar macht. Beleuchtete Baudenkmäler an Hochpunkten schaffen Unverwechselbarkeit.

Welche Rolle spielen Leuchtreklame und Schaufensterlicht?

Der Einzelhandel ist bei der Modernisierung der Beleuchtung im öffentlichen Raum gerade in der Innenstadt ein ganz wichtiger Akteur. Zum Beispiel können Leuchtreklamen als einzelne blendende Punkte schädlich für das Gesamtbild sein, weil sich das menschliche Auge automatisch darauf fokussiert und die Umgebung dann umso dunkler wahrgenommen wird. Beim Schaufensterlicht sollte darauf geachtet werden, dass es hauptsächlich nach innen strahlt und weniger nach außen. Man kann also das Leuchtniveau des Werbelichts insgesamt senken und trotzdem wirkt das Straßenbild heller und einladender. 

Welche Lichtfarben undLeuchttechniken sollten künftig verstärkt zum Einsatz kommen?

Gerade für eine Innenstadt ist es wichtig, dass man eine Lichtqualität mit möglichst naturgetreuer Wiedergabe von Farben erreicht. Wir empfehlen also zum Beispiel für die Fußgängerzone ein warmes, gelbliches Weiß mit einer Farbtemperatur von circa 3000 Kelvin. Eventuell könnte man den Alleenring und die Haupteinfallstraßen etwas kühler beleuchten, also mit hellerem Weiß von etwa 4000 Kelvin. Das Hauptverkehrsnetz wäre damit ablesbar und würde sich von den restlichen Straßen unterscheiden. Ein weiterer Modernisierungsansatz wäre der Umstieg auf LED-Leuchten, die aufgrund ihrer hohen Lebensdauer inzwischen sehr wirtschaftlich sind. Durch lange Wartungszyklen können die Folgekosten erheblich minimiert werden.

Wie ist der Stand des Verfahrens, wie geht es weiter und wann wird der Lichtmasterplan fertiggestellt?

Bisher sind wir mit je einem Impulsvortrag, Stadtrundgang und Workshop in den Dialog mit der Politik, den Bürgern und speziell auch den Einzelhändlern getreten. Bei den Themen Architektur- und Schaufensterlicht konnten die Akteure, das sind ja dann zumeist private Eigentümer, uns ihre Ideen mitteilen, die wir skizzenhaft erfasst haben und in den Masterplan einarbeiten werden. Beim Thema Funktionalbeleuchtung rechne ich damit, dass wir unser Konzept bis Ende des Jahres mit dem Rathaus fertig abgestimmt haben. Spätestens zu Ostern 2014 wollen wir den gesamten Lichtmasterplan vorlegen, der danach vom Stadtrat beschlossen werden muss.

Das Gespräch führte Ralph Kießling