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Effizient, leise und flächensparend

Ein Plädoyer für den Radverkehr von Verkehrsdezernent Andreas Ludwig

Andreas Ludwig
Verkehrsdezernent Andreas Ludwig: "Kein Verkehrsmittel, einschließlich des Zu-Fuß-Gehens, weist in Bezug auf die eingesetzte Energie einen so hohen Wirkungsgrad auf wie das Fahrrad."

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Es ist noch nicht allzu lange her, da galt Radverkehr als „Arme-Leute-Mobilität“, ein Vehikel für „Öko-Enthusiasten“ oder gar Fortschrittsverweigerer. Manch einer sah im Radfahren ausschließlich eine sportliche Betätigung. Dabei ist Radverkehr mehr als das, er ist mehr als nur ein ideologisches Statement zu einer umweltfreundlichen Mobilität und auch kein Luxus (mehr), den man sich zusätzlich zum motorisierten Verkehr leistet. Er ist stattdessen ein zentral wichtiger Baustein zur Erhöhung der Effizienz des gesamten stadtweiten Verkehrssystems. Zusätzlich dient Radverkehr natürlich auch der Gesundheit und man kann ganz nebenbei noch ein paar Kalorien verbrennen.

Kein Verkehrsmittel, einschließlich des Zu-Fuß-Gehens, weist in Bezug auf die eingesetzte Energie einen so hohen Wirkungsgrad auf wie das Fahrrad.

Acht Fahrräder pro Pkw-Stellplatz

Radverkehr ist insbesondere im Vergleich zum Privat-Kfz umweltfreundlich, leise und vor allen Dingen flächensparend. Selbst im Falle sehr komfortabler Anordnung von Fahrradbügeln können auf einem Pkw-Stellplatz sechs bis acht Fahrräder untergebracht werden, bei kompakten Anlagen noch wesentlich mehr. Auch der Platzbedarf für die rollenden Räder beträgt selbst bei Anlage von eigenen Radfahrstreifen / Schutzstreifen lediglich einen Bruchteil der benötigten Verkehrsfläche eines Automobils.

Da die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung (d.h. die Anzahl der Wege und deren Länge pro Person) stetig steigen, der zur Verfügung stehende Raum in der Stadt jedoch zunehmend begrenzt und nicht unendlich vermehrbar ist, führt an einer effizienteren Gesamtverkehrskonzeption kein Weg vorbei.

Enorme Potenziale

An dieser Stelle möchte ich Ihnen durch ein paar statistische Werte ein Gefühl für die enormen Effizienzpotenziale in Trier vermitteln und die Notwendigkeit attraktiver Rahmenbedingungen für den Radverkehr aufzeigen:

Gemäß der letzten Haushaltsbefragung von 2005 werden von der Trierer Bevölkerung in Trier werktags Wegstrecken im Entfernungsbereich zwischen einem und drei Kilometern zu fast der Hälfte mit dem Pkw zurück gelegt (46%), im Entfernungsbereich zwischen drei und fünf Kilometern dominiert der Pkw-Anteil zu fast zwei Dritteln (61%). Selbst für Entfernungen unter einem Kilometer nutzt mehr als jeder fünfte Trierer Verkehrsteilnehmer den Pkw (22% Pkw-Anteil am Verkehrsaufkommen)!

Bedenkt man zusätzlich, dass insgesamt zwei Drittel aller Wege, die von sämtlichen Verkehrsteilnehmern in Trier zurück gelegt werden, nicht länger als fünf Kilometer sind, und dass nahezu die Hälfte des gesamten Pkw-Verkehrsaufkommens in Trier Binnenverkehr ist (also Start und Ziel der Reise befinden sich innerhalb des Stadtgebiets), wird deutlich, welche Effizienzsteigerungen im Verkehrssystem von Trier durch das Fahrrad möglich sind.

Selbstverständlich existieren gravierende Gründe, weshalb nicht sämtliche dieser Wege durch das Fahrrad ersetzt werden können. Hierzu zählen unter anderem der Transport schwerer Lasten, die Mitnahme von Kindern, gegebenenfalls starke Steigungen, mangelnde Fitness oder Gebrechlichkeit, der Wunsch, nicht verschwitzt auf der Arbeit erscheinen zu wollen. Wenn jedoch nur ein Teil dieses Potenzials genutzt würde, hätte dies durch entsprechende Reduzierungen im motorisierten Individualverkehr einen großen Vorteil für alle Verkehrsteilnehmer zur Folge. Ganz zu schweigen von den positiven Auswirkungen auf die Umweltbelastungen insbesondere für die Anwohner der innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen.

Zubringer zum ÖPNV

Auch haben Situationen, die auf den ersten Blick als Ausschlusskriterien für Radverkehr für bestimmte Personengruppen erscheinen, bei genauerer Betrachtung Potenzial zur Steigerung des Radverkehrs.

So sind Radverkehre im Verbund mit dem ÖPNV auch für größere Strecken und Pendler geeignet. Hierbei setze ich voraus, dass die Radmitnahme im Bus oder Zug funktioniert und/oder attraktive Abstellmöglichkeiten an großen Haltestellen und Bahnhöfen vorhanden sind (an letzterem arbeiten wir gerade intensiv im Bereich des Hauptbahnhofes). Für den ÖPNV fungiert das Fahrrad dann als Zubringer bzw. Verteiler. Indem Strecken zu oder von den Bushaltestellen und Bahnhöfen, die zu weit zum Zufußgehen sind, mit dem Fahrrad überbrückt werden, wird der Aktionskreis des ÖPNV erhöht.

Zudem verlieren Berge mit Elektrofahrrädern ihren Schrecken und Güterverkehr und Kinderbeförderung sind mit entsprechenden Fahrrädern und / oder Anhängern bei gut geplanter Radinfrastruktur leicht zu bewältigen. Nicht zuletzt sind aber auch integrierte betriebliche Mobilitätsmanagementmaßnahmen erforderlich, bei denen sich möglichst viele Arbeitgeber in Trier und direkter Umgebung beteiligen sollten. Zum Beispiel durch das Angebot von attraktiven und sauberen Duschen und Umkleidemöglichkeiten am Arbeitsplatz sowie sicheren und wettergeschützten Fahrradabstellmöglichkeiten lassen sich viele Autofahrten vermeiden. Zusätzlich wirken die Fahrten per Rad zur Arbeitsstätte gleichzeitig auch als Gesundheitsförderungsmaßnahme und entlasten den Geldbeutel der Arbeitnehmer/innen sowie der Arbeitgeber (wenn sie dadurch weniger Parkplätze zur Verfügung stellen müssen und die Arbeitnehmer fitter und weniger häufig krank sind).

Interessenskonflikte lösen

Das Radverkehrskonzept berücksichtigt neben der baulichen Verkehrsinfrastruktur auch diese Aspekte und unterbreitet hierfür konkrete Lösungsvorschläge und Maßnahmenansätze. Da ein Planwerk nur so gut ist, wie es umgesetzt wird und wie es Akzeptanz findet, müssen sämtliche „harten“ und „weichen“ Maßnahmen, die im Radverkehrskonzept enthalten sind, bezüglich der dahinter stehenden Intentionen erläutert werden sowie mögliche Konflikte klar benannt und diskutiert werden. Zum Beispiel bedarf es in nicht wenigen Fällen einer Lösung des Interessenskonfliktes zwischen ruhendem Kfz-Verkehr oder auch des Fußverkehrs und den Ansprüchen der Radfahrenden. Hierzu werden wir eine umfassende Kommunikation mit Ihnen liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie mit den verschiedensten Interessensgruppen führen.

Nur wenn eine breite Mehrheit der Bevölkerung hinter dem Ziel einer effizienteren und stadtverträglichen Mobilität für alle steht, können wir das Ziel erreichen, für alle Manschen, die sich in unserer schönen Stadt aufhalten und bewegen deutlich spürbare Verbesserungen zu erreichen. Denn von der Radverkehrsförderung werden nicht nur diejenigen profitieren, die bereits heute das Velo nutzen oder die in Zukunft umsteigen werden sondern auch alle diejenigen, die heute – egal mit welchem Verkehrsmittel – in verstopften Straßen stehen oder durch den Lärm der Fahrzeuge in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt werden. Eine Reduzierung des Autoverkehrs ist für die Stadt Trier mit den in vielen Teilen sehr engen Straßen zwingend notwendig, wenn wir unsere schöne Stadt sowohl für Bewohner und Besucher attraktiv und lebenswert halten wollen und gleichzeitig auch die Erreichbarkeit ohne Verkehrschaos, Lärm und Staus sicherstellen wollen.

In diesem Sinne bitte ich Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Gewerbetreibenden, liebe Ein- und Auspendler und liebe Besucher von Trier: Lassen Sie uns diese Potenziale einer effizienteren, nachhaltigeren und lebenswerten Stadt Trier heben. Das Radverkehrskonzept als Teil des umfassenden Mobilitätskonzeptes Trier 2025 kann hierbei einen wichtigen Beitrag leisten. Wenn wir alle unseren kleinen Beitrag leisten.

Herzlich,

Ihr Andreas Ludwig