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04.04.2017 | Ausstellung

Kraftvoller Reformator im katholischen Trier

Caspar Olevian im 30. Lebensjahr
Caspar Olevian im 30. Lebensjahr - Porträt aus der Sammlung der Stadtdbibliothek.
Mit vielen hochkarätigen Exponaten kann die Ausstellung „Caspar Olevian, die Reformation und Trier“ aufwarten, die ab 7. April in der Stadtbibliothek Weberbach zu sehen ist. Dazu gehören mehrere Porträts des aus Trier stammenden Reformators und ein Schreiben Olevians an den Rat vom 13. August 1559, in dem er seine evangelischen Predigten rechtfertigt.

Das Jahr 2017 steht im besonderen Fokus des 500-jährigen Reformationsfestes. In diesem Rahmen erinnert die neue Ausstellung an das Wirken des aus Trierer Reformators Caspar Olevian und die Spuren dieser Ereignisse in dem stark katholisch geprägten Trier. Caspar Olevian  wurde am 10. August 1536 als Sohn eines Bäckers und Ratsherrn geboren. Den Namen Olevian leitete der Vater von dem heutigen Stadtteil Olewig ab, aus dem die Familie stammte.

Nach seinem Studium des Rechts und der Theologie kehrte Olevian im Juni 1559 nach Trier zurück. Vom Rat der Stadt wurde er als Lateinlehrer eingestellt. Er richtete einen deutschen Katechismus-Unterricht ein und sorgte ab August 1559 als kraftvoller und mitreißender Prediger dafür, dass innerhalb kurzer Zeit etwa ein Drittel der städtischen Bevölkerung zur evangelischen Gemeinde übertrat. Etliche Protestanten, darunter Olevian, wurden daraufhin gefangengenommen und erst freigelassen, als sie gelobt hatten, entweder zum „rechtmäßigen katholischen Glauben“ zurückzukehren oder die Stadt zu verlassen. Olevian entschied sich für diese Option, folgte einem Ruf von Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz nach Heidelberg und arbeitete an einem Priesterseminar. Nach dem Tod des calvinistischen Herrschers und dem Regierungsantritt seines lutherischen Sohnes musste Olevian Heidelberg wieder verlassen. Er fand 1577 Aufnahme am Hof des Grafen Ludwig I. von Wittgenstein in Berleburg. Von dort nahm er Einfluss auf den Fortgang der Reformation in dieser Region und gehörte 1584 zu den Gründern der Hohen Schule in Herborn, einer bedeutenden Ausbildungsstätte für Theologen in Hessen.

Ergänzend zur Trierer Ausstellung über das wechselhafte und spannungsreiche Leben des calvinistischen Reformators wird ein neues Internetportal freigeschaltet, das von Studierenden des Masterstudiengangs Digital Humanities unter Federführung des Center for Digital Humanities an der Universität realisiert wurde. Hier finden sich Exponate der Ausstellung, Wissenswertes rund um Olevian, sein Wirken im Kontext einer Zeit tiefer Umbrüche sowie ein digitaler Trier-Rundgang auf seinen Spuren. Den Festvortrag „Reformation. Zukunft. Olevian“ zur Eröffnung der Ausstellung und des Internetportals hält der frühere Landesjustizminister Professor Gerhard Robbers, der 2013 Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags war. Zu den Teilnehmern der Veranstaltung am Donnerstag, 6. April, 18 Uhr, gehören auch der evangelische Superintendent Dr. Jörg Weber, Bibliotheksdirektor Professor Michael Embach und sein Vorgänger Professor Gunther Franz als Autor des Katalogs für die Olevian-Ausstellung.