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20.11.2017 | Ausstellung "Trierer Plätze"

Zwischen Handelsort, Parkplatz und Freiraum

George Clarkson Stanfield: Ansicht des Trierer Domes von Norden, 1856/57, Museum am Dom Trier
Ansicht des Domfreihofs auf einem Gemälde von George Clarkson Stanfield, Mitte des 19. Jahrhunderts. Abbildung: Rudolph Schneider/Museum am Dom

Die Vögel zwitschern, der Georgsbrunnen plätschert, die Domglocken läuten, zum Marktkreuz, zur Porta und zur Basilika ist es nicht weit: Akustische Effekte und die markantesten Baudenkmäler als Kulisse schaffen den passenden Rahmen für die Ausstellung „Trierer Plätze. Gestern – heute – morgen“, die am Sonntag im sehr gut besuchten Stadtmuseum Simeonstift eröffnet wurde. Mehr als 500 Fotos, Filme, Zeichnungen, Gemälde und Modelle dokumentieren die Entstehung und Entwicklung der 16   Innenstadtplätze von der Antike bis heute und darüber hinaus. Fundstücke aus dem Untergrund, zum Beispiel ein Stück Holzpflaster vom Domfreihof und eine Pferdebahnschiene vom Hauptmarkt, ergänzen die Palette der Exponate.

Veranschaulicht wird dabei die ursprüngliche Funktion vieler Plätze als Umschlagsort für Waren, die auch in Namen wie Kornmarkt, Viehmarkt, oder Pferdemarkt zum Ausdruck kommt. Später wandelten sich die Plätze zu Verkehrsknotenpunkten und Parkplätzen. Erst in der jüngeren Vergangenheit stand die Umgestaltung zu hochwertigen innerstädtischen Freiräumen auf der Tagesordnung.

Für die Darstellung der einzelnen Plätze haben die Ausstellungsmacher Bärbel Schulte und Karl-August Heise eine chronologische Gliederung gewählt. Nach einem Exkurs über das Forum der römischen Stadt stehen zunächst die beiden zentralen mittelalterlichen Plätze, der Hauptmarkt und der Domfreihof, im Blickpunkt, mit denen sich im 19. Jahrhundert viele Maler beschäftigt haben. Zu sehen ist auch die wohl älteste Darstellung des Hauptmarkts aus dem Jahr 1558 mit dem noch offen fließenden Weberbach.

Mit dem Bau des barocken Georgsbrunnens entstand Mitte des 18. Jahrhunderts der Kornmarkt. Er setzte das Signal für die Ausdehnung der mittelalterlichen Stadt. Im 19. Jahrhundert folgten der Viehmarkt und am westlichen Rand der Altstadt der Pferdemarkt, der heutige Nikolaus-Koch-Platz und der Stockplatz, der 1860 durch den Abriss von drei Häusern entstand. Kuriosität am Rande: Aus einer Planskizze geht hervor, dass es in den 1920er Jahren Überlegungen für eine Tankstelle auf dem Kornmarkt gegeben hat.

Kriegszerstörung

Der Konstantinplatz steht als Beispiel, wie Kriegszerstörungen das Stadtbild langfristig transformieren: Lange Zeit war die Konstantin-Basilika von einer kleinteiligen mittelalterlichen Bebauung umlagert. Nach der schweren Beschädigung durch einen Bombenangriff 1944 stand das Gebäude erstmals völlig frei, doch erst zur Zweitausend-Jahrfeier 1984 wurde mit der Platzgestaltung durch Oswald M. Ungers eine dauerhafte städtebauliche Lösung für die Umgebung des Weltkulturerbes gefunden.

Als Plätze, die in jüngster Zeit neu gestaltet wurden, finden der Bischof-Stein-Platz und der Simeonstiftplatz Erwähnung. Und schließlich widmet sich die Ausstellung mit dem Porta-Nigra-Platz, dem Rindertanzplatz, dem Paulusplatz, dem Augustinerhof und dem Irminenfreihof den Innenstadtplätzen, für die eine Umgestaltung und Aufwertung noch aussteht. Hier wird die Plätzeschau des Stadtmuseums zu einem Forum, in dem städtebauliche Ideen der Zukunft entstehen können.kig

  • „Trierer Plätze. Gestern – Heute – Morgen“. Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift, bis 18. März 2018, geöffnet Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Nächste Führungen mit Dr. Bärbel Schulte: Dienstag, 28. November, 19 Uhr, und Sonntag, 10. Dezember, 11.30 Uhr.
 
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